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    <title>Proust Blog (Reading A La Recherche Du Temps Perdu) : comments</title>
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    <description>Reading A La Recherche Du Temps Perdu</description>
    <dc:publisher>danielgruen</dc:publisher>
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    <dc:date>2009-03-10T13:31:15Z</dc:date>
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    <title>Proust Blog</title>
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    <title>Bahn nach Balbec</title>
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    <description>&lt;div class=&quot;moblog_text&quot;&gt;Neulich im Intercity von Augsburg nach München ... eine Collage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Verehrte Fahrgäste an Gleis 4, bitte steigen Sie ein. Vorsicht an den Türen und bei der Abfahrt des Zuges.&lt;/i&gt; Es sind die letzten Seiten der &lt;i&gt;Recherche&lt;/i&gt;, die noch vor mit liegen - und die letzten 50, vielleicht 60 Kilometer Bahnfahrt bevor das Semester wieder anfängt und mich mit seinen Zwängen unter sich begräbt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;Denn das Gedächtnis, indem es die Vergangenheit in unveränderter Gestalt in die Gegenwart einführt - so nämlich, wie sie sich in dem Augenblick präsentierte, als sie selber noch Gegenwart war - bringt gerade jene große Dimension der Zeit zum Verschwinden, in der sich das Leben realisiert&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Die wiedergefundene Zeit&lt;/b&gt;, Bd. 7/7, S. 484 &lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Es sind schon eine ganze Anzahl Vergangenheiten, die für mich mit diesem Buch verbunden sind. Da sind die Kastanien im Stuttgarter Schloßgarten, unter denen liegend ich die ersten Seiten von &lt;i&gt;In Swanns Welt&lt;/i&gt; einst verschlungen, der Fahrtwind im alten Regionalexpress, der an den Seiten meiner Biblotheksausgabe damals entlangzustreichen gesucht, das Flugzeug nach Kanada, die Münchener Tram ... fast scheint es als sei meine ganz persönliche &lt;i&gt;Recherche&lt;/i&gt; eine kleine Geschichte der Fortbewegungsmittel. Und ja, nun dieser Zug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Augsburg-Hochzoll&lt;/i&gt; rauscht vorbei ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;In solchen großen Büchern aber gibt es ganze Partien, die aus Mangel an Zeit im Zustand der Skizze geblieben sind und die zweifellos auch nie fertiggestellt werden können, weil der Plan des Baumeisters zu großartig war. [...] Um aber auf mich selbst zurückzukommen, so dachte ich bescheidener an mein Buch, und es wäre sogar ungenau zu sagen, dass ich dabei an die, die es lesen würden, an meine Leser dachte. Denn sie würden meiner Meinung nach nicht meine Leser sein, sondern die Leser ihrer selbst, da mein Buch nur etwas wie ein Vergrößerungsglas sein würde, ähnlich jenen, die der Optiker in Combray einem Käufer über den Ladentisch reichte - mein Buch, das ihnen ermöglichen würde, in sich selbst zu lesen.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Die wiedergefundene Zeit&lt;/b&gt;, Bd. 7/7, S. 486f&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Reichlich bescheiden spricht er da, der Autor, 20 Seiten vor dem Schluss seines monumentalen Werkes. Was ich durch das Vergrößerungsglas in mir selbst gelesen habe? Eine ganze Menge ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Intercity nimmt Fahrt auf, vorbei an &lt;i&gt;Kissing&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;Mering&lt;/i&gt;, und biegt auf die schnurgerade Strecke nach München ein, sodass ich fast befürchte, den Roman doch nicht zuendelesen zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Wenn die Idee des Todes mir zu jener Zeit, wie man gesehen hat, die Liebe verdüsterte, half mir doch seit langem schon die Erinnerung an die Liebe dazu, den Tod nicht mehr zu fürchten. Ich gelangte zu der Einsicht, dass Sterben nicht etwas Neues, sondern dass ich im Gegenteil von meiner Kindheit an schon viele Male gestorben sei.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Die wiedergefundene Zeit&lt;/b&gt;, Bd. 7/7, S. 493&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Was, traurig wie es auf den ersten Blick scheint, ein sehr schöner Gedanke ist. Victor Hugo sagt: &lt;i&gt;Das Gras muss sprießen und die Kinder müssen sterben.&lt;/i&gt; Veränderung heißt Leben. Veränderung heißt auch Tod. Und die Erinnerung setzt beides außer Kraft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Da erkannte ich mit einemmal, dass, wenn ich noch die Kraft hätte, mein Werk zu vollenden, diese Matinee [...] insofern sie mir am heutigen Tage zugleich die Idee meines Werkes und die Furcht davor eingegeben hatte, sie nicht verwirklichen zu können, wahrscheinlich vor allem in diesem Werk die Gestalt bezeichnen würde, die ich einst in der Kirche von Combray erahnte und die uns gewöhnlich unsichtbar bleibt, die Zeit.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Die wiedergefundene Zeit&lt;/b&gt;, Bd. 7/7, S. 502f&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Kondensierte Zeit, die Proust da wie einen Tautropfen an der Matinee mit den gealterten Gefährten aufnimmt - ich blättere im Moment ein wenig in den &lt;i&gt;Erinnerungen&lt;/i&gt; meines Großvaters, der im letzten Jahr seinen 90. Geburtstag gefeiert hat. Das mag ein sehr plakatives Beispiel von kondensierter Zeit sein. Auch dieser Blog und das Gelesenhaben der &lt;i&gt;Recherche&lt;/i&gt; ist für mich eines. Der Weg vom Haus meiner Kindheit in die Studentenbude meiner Gegenwart, auf dem ich mich in diesem Moment befinde. Und so weiter. Wir erreichen &lt;i&gt;Pasing&lt;/i&gt; ... der letzte Halt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Ich begriff jetzt, weshalb der Herzog von Guermantes [...] als er sich erhob und stehenbleiben wollte, schwankend und nur mit Mühe sich auf versagenden Beinen hielt [...] und nur zitternd wie ein Blatt sich vorwärtsbewegte auf dem unwegsamen Gipfel seiner dreiundachzig Jahre, als ob die Menschen alle auf lebendigen, unaufhörlich wachsenden, machmal mehr als kirchturmhohen Stelzen hockten, die schließlich das Gehen für sie beschwerlich und gefahrvoll machten, bis sie plötzlich von ihnen herunterfielen. Ich erschrak, weil die meinen bereits so lang waren unter meinen Schritten; es kam mir nicht so vor, als werde ich stark genug sein, noch lange die Vergangenheit bei mir festzuhalten, die nun schon unter mir so weit hinunterreichte. Wenigstens würde ich, wenn mir noch Kraft genug bliebe, um mein Werk zu vollenden, in ihm die Menschen [...] als Wesen beschreiben, die neben dem so beschränkten Anteil an Raum, der für sie ausgespart ist, einen im Gegensatz dazu unermesslich ausgedehnten Platz - da sie ja gleichzeitig wie Riesen, die, in die Tiefe der Jahre getaucht, ganz weit auseinanderliegende Epochen streifen, zwischen die unendlich viele Tage geschoben sind - einnehmen in der ZEIT.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Die wiedergefundene Zeit&lt;/b&gt;, Bd. 7/7, letzte Seite&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Was kann man bei dieser relativistischen, philosophischen Schlusspassage noch sagen? Verlieren Sie nicht die Zeit!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Unser nächster Halt: München Hauptbahnhof&lt;/i&gt;. FIN.

&lt;hr /&gt;
The other day on the Intercity train from Augsburg to Munich ... a collage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Dear passengers on track 4, please enter the train. Caution as the doors close and while the train is leaving.&lt;/i&gt; It&apos;s the last pages of the &lt;i&gt;Recherche&lt;/i&gt; and, at the same time, the last 50, maybe 60, kilometers before the new term starts and I&apos;m once again buried alive in work.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Since memory, by introducing the past into the present without modification, as though it were the present, eliminates precisely that great Time-dimension in accordance with which life is realised.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Time Regained&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
It&apos;s been quite a number of &apos;pasts&apos; which this book has made a connection to for me. I can recall the chestnut trees in the palace garden of Stuttgart, among which I had devoured the first pages of &lt;i&gt;Swann&apos;s Way&lt;/i&gt;, the head wind on the old regional train, which gently tapped on the pages of my library edition, the plane to Canada, the tramway in Munich ... it&apos;s as though my personal &lt;i&gt;Recherche&lt;/i&gt; is a history of public transport. And yes, now it&apos;s this train.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Passing &lt;i&gt;Augsburg-Hochzoll&lt;/i&gt;...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Parts of such great books can be no more than sketched for time presses and perhaps they can never be finished because of the very magnitude of the architects design. [...] But to return to myself. I was thinking more modestly about my book and it would not even be true to say that I was thinking of those who would read it as my readers. For, as I have already shown, they would not be my readers, but the readers of themselves, my book being only a sort of magnifying-glass like those offered by the optician of Combray to a purchaser.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Time Regained&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
In quite a humble manner the author speaks, some 20 pages from the final word of his monumental novel. What I read in the magnifying-glass? Many a thing ... &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
The Intercity takes up some speed, passing &lt;i&gt;Kissing&lt;/i&gt; (what a beautiful name!), &lt;i&gt;Mering&lt;/i&gt;, and continues straightaway, approaching Munich so as to make me fear I won&apos;t be able to finish my reading.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;If the idea of death had cast a shadow over love, the memory of love had for long helped me not to fear death. I realised that death is nothing new, ever since my childhood I had been dead numbers of times.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Time Regained&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
What seems sad at a glance is indeed a profoundly beautiful thought. Victor Hugo says: &lt;i&gt;The grass must grow and children die.&lt;/i&gt; Change may mean life, but change also means death. And remembrance can suspend both.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;In any case, if I had still the strength to accomplish my work, the circumstances, which had to-day in the course of the Princesse de Guermantes reception simultaneously given me the idea of it and the fear of not being able to carry it out, would specifically indicate its form of which I had a presentiment formerly in Combray church during a period which had so much influence upon me, a form which, normally, is invisible, the form of Time.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Time Regained&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Condensed time, which Proust absorbs like a dew-drop hanging from the matinee with his ageing comrades - I&apos;m reading through the &lt;i&gt;Memories&lt;/i&gt; my Grandfather wrote on the occasion of his 90th birthday last year. This may be a very striking example of condensed time. This blog as much as my having read the &lt;i&gt;Recherche&lt;/i&gt; are similar for me. The journey from the house of my chilhood days to the student digs of my presence, which I&apos;m taking at the moment. And so on. We&apos;re arriving in &lt;i&gt;Pasing&lt;/i&gt; ... the last stop before central station.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;&lt;br /&gt;
I now understood why the Duc de Guermantes [...] had tottered when he got up and wanted to stand erect [...] and had moved, trembling like a leaf on the hardly approachable summit of his eighty-three years, as though men were perched upon living stilts which keep on growing, reaching the height of church-towers, until walking becomes difficult and dangerous and, at last, they fall. I was terrified that my own were already so high beneath me and I did not think I was strong enough to retain for long a past that went back so far and that I bore within me so painfully. If at least, time enough were alloted to me to accomplish my work, I would not fail to mark it with the seal of Time, the idea of which imposed itself upon me with so much force to-day, and I would therein describe men as [...] occupying a place in Time infinitely more important than the restricted one reserved for them in space, a place, on the, contrary, prolonged immeasurably since, simultaneously touching widely separated years and the distant periods they have lived throughbetween which so many days have ranged themselvesthey stand like giants immersed in TIME.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Time Regained&lt;/b&gt;, last page&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
What can you say to this relativistic, philosophical final passage? Take care you don&apos;t lose your time!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Our next stop: Munich Central Station&lt;/i&gt;. FIN.&lt;/div&gt;</description>
    <dc:creator>danielgruen</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 danielgruen</dc:rights>
    <dc:date>2009-03-10T13:30:48Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://proust.twoday.net/stories/5285295/">
    <title>Everything&apos;s connected</title>
    <link>http://proust.twoday.net/stories/5285295/</link>
    <description>&lt;div class=&quot;moblog_text&quot;&gt;Ich glaube ich bring&apos;s nicht fertig -- die letzten Seiten der &lt;i&gt;Recherche&lt;/i&gt; sind zu viel für einen armen kleinen überbeschäftigten Blogger. Dass sie nicht zu viel waren für Proust, das ewig leidende Genie, der sie förmlich mit seinem letzten Lebenshauch zu Papier brachte und alle Fäden verband: unglaublich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute einmal eine kleine elektrotechnische Perspektive auf eine der komprimiertesten Stellen der sonst ganz &lt;i&gt;decomprimé&lt;/i&gt; (um nicht zu sagen: &lt;i&gt;de Cambremer&lt;/i&gt;) daherkommenden &lt;i&gt;Recherche&lt;/i&gt;. Doch zuerst der Ausschnitt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;Das Staunen über die Worte Gilbertes und das Vergnügen, das sie mir machten, wurde sehr schnell, während Madame de Saint-Loup sich nach einem anderen Salon hin entfernte, durch die Idee einer vergangenen Zeit ersetzt, die auch sie mir auf ihre Weise nahelegte, ja - ohne dass ich sie bisher gesehen hatte - sogar Madmoiselle de Saint-Loup. War sie nicht übrigens wie manche Menschen dem ähnlich, was in Wäldern die Markierungen an Kreuzwegen sind, an denen - wie auch in unserem Leben - Wege, die von den verschiedensten Punkten herkommen, sich vereinigen? Sie waren zahlreich für mich, die Wege, die bei Madmoiselle de Saint-Loup zusammentrafen oder von ihr sich strahlenförmig erstreckten. Vor allem aber mündeten bei ihr die verschiedensten Richtungen, nach denen ich so viele Spaziergänge gemacht und Träume entsendet hatte - durch ihren Vater Robert de Saint-Loup die Richtung Guermantes, durch Gilberte, ihre Mutter, die Richtung Méséglise, die in Swanns Welt geführt hatte. Die eine geleitete mich durch die Mutter des jungen Mädchens über die Champs-Elysées hinweg bis zu Swann, zu meinen Abenden in Combray, den Spaziergängen nach der Seite von Méséglise; die andere über ihren Vater zu meinen Nachmittagen in Balbec, wo ich ihn wieder am besonnten Meer stehen sah. Schon zwischen diesen beiden Welten entstanden Querverbindungen, denn jenes wirkliche Balbec, dem ich ja die Bekanntschaft mit Saint-Loup verdanke, hatte ich ja größtenteils wegen der Dinge, die Swann mir über Kirchen, vor allem über die &quot;persische&quot; Kirche gesagt hatte, aufsuchen wollen, und andererseits gelangte ich durch Robert, den Neffen der Herzogin von Guermantes, wiederum nach Combray, aber diesmal auf die nach Guermantes zu gerichtete Seite. Aber auch zu vielen anderen Punkten meines Lebens noch führte mich Mademoiselle de Saint-Loup, zu der Dame in Rosa, die ihre Großmutter war und die ich bei meinem Großonkel gesehen hatte. Hier ergab sich eine neue Transversale, denn der Kammerdiener dieses Großonkels, der mir an jenem Tage die Tür geöffnet und später durch das Geschenk einer Photographie ermöglicht hatte, die Dame in Rosa zu identifizieren, war der Vater des jungen Mannes, den nicht nur Monsieur de Charlus, sondern auch der Vater von Mademoiselle de Saint-Loup geliebt, um dessentwillen er ihre Mutter unglücklich gemacht hatte. Und hatte nicht der Großvater von Mademoiselle de Saint-Loup, nämlich Swann, zu mir als erster von der Musik Vinteuils gesprochen, ebenso wie Gilberte als erste von Albertine? Im Gespräch über die Kompositionen Vinteuils aber mit Albertine hatte ich entdeckt, wer ihre engste Freundin war, und mit ihr jenes Leben begonnen, das zu ihrem Tode geführt und mir so viele Schmerzen bereitet hatte. Der Vater von Mademoiselle de Saint-Loup wiederum war derjenige gewesen, der sich auf den Weg gemacht hatte, um Albertine womöglich zur Rückkehr zu bewegen. Auch mein ganzes Leben in der Gesellschaft war auf diese Weise zustande gekommen, sei es in Paris im Salon der Swanns oder der Guermantes, sei es ganz am anderen Ende bei den Verdurins, so dass neben die beiden Seiten, nach denen sich Combray erstreckte, und neben die Champs-Elysées auch die schöne Terrasse von La Raspelière in gleiche Linie rückte. [...] Und mochten auch die Verdurins sich noch so sehr am anderen Ende befinden, so hingen sie doch mit Odette durch deren Vergangenheit, mit Robert de Saint-Loup aber durch Charlie zusammen; und welche Rollen hatte nicht bei ihnen die Musik Vinteuils gespielt! Endlich hatte Swann die Schwester jenes Legrandin geliebt, der Monsieur de Charlus gekannt hatte, dessen Mündel wiederum der junge Cambremer heiratete. Gewiß, wenn es sich nur um unsere Herzen handelt, so hat der Dichter recht gehabt, von jenen &quot;geheimnisvollen Fäden&quot; zu sprechen, die das Leben zerreißt. Aber wahrer noch ist, dass es unaufhörlich zwischen den Wesen, zwischen den Ereignissen neue Fäden spinnt und untereinanderwirrt, dass es sie verdoppelt, um das Gewebe zu stärken, so dass zwischen dem geringsten Punkt unserer Vergangenheit und allen anderen ein reiches Netz von Erinnerungen uns nur die Wahl der Verbindungswege lässt.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Die wiedergefundene Zeit, Bd. 7/7, S. 481ff&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder, noch weiter &quot;vereinfacht&quot;:

&lt;center&gt;&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://bioprotect.de/proust/proust.png&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://bioprotect.de/proust/proust_small.png&quot; /&gt;&lt;/a&gt;
&lt;/center&gt;

Und wir bewegen uns weiter im Eiltempo auf das große Finale zu ...

&lt;hr /&gt;

I don&apos;t think I can possibly make it -- the last pages of the &lt;i&gt;Recherche&lt;/i&gt; are by all means to much for a poor, small blogger. Unbelievable enough they weren&apos;t too much for Proust, the ever-suffering genious who wrote them and one last time pulled all the strings literally with his last breath.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So today you get an electrician&apos;s perspective on one of the very compressed passages of a novel so &lt;i&gt;decomprimé&lt;/i&gt; (not to say: &lt;i&gt;de Cambremer&lt;/i&gt;) at other times. But first here comes the passage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;The surprise and pleasure caused me by Gilbertes words were quickly replaced while Mme de Saint-Loup disappeared into another room, by the idea of past Time which Mlle de Saint-Loup had brought back to me in her particular way without my even having seen her. In common with most human beings, was she not like the centre of cross-roads in a forest, the point where roads converge from many directions? Those which ended in Mlle de Saint-Loup were many and branched out from every side of her. First of all, the two great sides where I had walked so often and dreamt so many dreams, came to an end in herthrough her father, Robert de Saint-Loup, the Guermantes side and through Gilberte, her mother, the side of Méséglise which was Swanns side. One, through the mother of the young girl and the Champs Elysées, led me to Swann, to my evenings at Combray, to the side of Méséglise, the other, through her father, to my afternoons at Balbec where I saw him again near the glistening sea. Transversal roads already linked those two main roads together. For through the real Balbec where I had known Saint-Loup and wanted to go, chiefly because of what Swann had told me about its churches, especially about the Persian church and again through Robert de Saint-Loup, nephew of the Duchesse de Guermantes I reunited Combray to the Guermantes side. But Mlle de Saint-Loup led back to many other points of my life, to the lady in pink who was her grandmother and whom I had seen at my great-uncles house. Here there was a new cross-road, for my great-uncles footman who had announced me that day and who, by the gift of a photograph, had enabled me to identify the lady in pink, was the uncle of the young man whom not only M. de Charlus but also Mlle de Saint-Loups father had loved and on whose account her mother had been made unhappy. And was it not the grandfather of Mlle de Saint-Loup, Swann, who first told me about Vinteuils music as Gilberte had first told me about Albertine? And it was through speaking to Albertine about Vinteuils music that I had discovered who her intimate girl-friend was and had started that life with her which had led to her death and to my bitter sorrows. And it was again Mlle de Saint-Loups father who had tried to bring back Albertine to me. And I saw again all my life in society, whether at Paris in the drawing-rooms of the Swanns and the Guermantes, or in contrast, at the Verdurins at Balbec, uniting the two Combray sides with the Champs Elysées and the beautiful terraces of the Raspelière. Moreover, contrast them as one might, the Verdurins were linked to Odette through her past, with Robert de Saint-Loup through Charlie and how great a part had Vinteuils music played in their home! Finally, Swann had loved the sister of Legrandin and the latter had known M. de Charlus whose ward young Cambremer had married. Certainly, if only our hearts were in question, the poet was right when he spoke of the mysterious threads which life breaks. But it is still truer that life is ceaselessly weaving them between beings, between events, that it crosses those threads, that it doubles them to thicken the woof with such industry that between the smallest point in our past and all the rest, the store of memories is so rich that only the choice of communications remains.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
- &lt;b&gt;Time Regained&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Or, to put it &lt;i&gt;even more simply&lt;/i&gt; - just see the diagram above.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
And still we&apos;re rushing towards the grand final ...&lt;/div&gt;</description>
    <dc:creator>danielgruen</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 danielgruen</dc:rights>
    <dc:date>2008-10-28T23:04:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://proust.twoday.net/stories/4347659/#5113737">
    <title>I do know the end of story. It is a &apos;must have&apos; to read and more than a...</title>
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    <description>I do know the end of story. It is a &apos;must have&apos; to read and more than a brilliant story. IT is magical.</description>
    <dc:creator>Marc (anonymous)</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Marc (anonymous)</dc:rights>
    <dc:date>2008-08-09T13:53:46Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://proust.twoday.net/stories/4586781/#4645464">
    <title>Hi Webcowgirl,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
yeah, we Proust bloggers are slowly but surely...</title>
    <link>http://proust.twoday.net/stories/4586781/#4645464</link>
    <description>Hi Webcowgirl,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
yeah, we Proust bloggers are slowly but surely becoming a great many. And believe me, there is hope for your overtaking me -- I am so slow at reading Time Regained you might as well finish it first :D&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
But yes, I surely think you should carry on reading, even though there might be a lot of lengthy soirees ahead, it&apos;ll all pay off...</description>
    <dc:creator>danielgruen</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 danielgruen</dc:rights>
    <dc:date>2008-01-24T22:05:05Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://proust.twoday.net/stories/4586781/#4626022">
    <title>Another Proust blogger!</title>
    <link>http://proust.twoday.net/stories/4586781/#4626022</link>
    <description>How exciting to find another Proust blogger! You have finished it all and I am just about to start &lt;I&gt;The Prisoner and the Fugitive&lt;I&gt;. I shall have to read your older posts and synch up with where I am now. I feel this post gives me good encouragement to keep moving toward the finish line.&lt;/I&gt;&lt;/I&gt;</description>
    <dc:creator>Webcowgirl (anonymous)</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Webcowgirl (anonymous)</dc:rights>
    <dc:date>2008-01-18T12:43:10Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://proust.twoday.net/stories/4586781/#4589072">
    <title>One of the most profound and best passages in all literature.</title>
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    <description>One of the most profound and best passages in all literature.</description>
    <dc:creator>Odette (anonymous)</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Odette (anonymous)</dc:rights>
    <dc:date>2008-01-06T20:13:41Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://proust.twoday.net/stories/4586781/#4587038">
    <title>Vielen Dank fürs abtippen....</title>
    <link>http://proust.twoday.net/stories/4586781/#4587038</link>
    <description>Vielen Dank fürs abtippen....</description>
    <dc:creator>Sturznest</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Sturznest</dc:rights>
    <dc:date>2008-01-06T10:06:03Z</dc:date>
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    <title>Auftauchen des reitenden Boten</title>
    <link>http://proust.twoday.net/stories/4586781/</link>
    <description>Marcel denkt nach auf dem Weg zur Soiree und alles scheint ihm sinnlos geworden zu sein - die Literatur, seine geistigen Bemühungen, alle Freuden, kurzum: das Leben. Da... (und ich verspreche Ihnen, Sie werden es nicht bereuen, den folgenden längeren Abschnitt zu lesen):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;In dem Augenblick aber, in dem uns alles verloren scheint, erreicht uns zuweilen die Stimme, die uns retten kann; man hat an alle Pforten geklopft, die auf gar nichts führen, vor der einzigen aber, durch die man eintreten kann, und die man vergeblich hundert Jahre lang hätte suchen können, steht man, ohne es zu wissen, und sie tut sich auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich die traurigen Gedanken, von denen ich eben sprach, noch in mir bewegte, war ich in den Hof des Guermantesschen Palais eingetreten und hatte in meiner Zerstreuung nicht bemerkt, dass ein Wagen sich näherte; beim Anruf des Chauffeurs hatte ich nur gerade noch Zeit, rasch auf die Seite zu springen. Ich wich so weit zurück, dass ich unwillkürlich auf die schlecht behauenen Pflastersteine trat, hinter denen eine Remise lag. In dem Augenblick aber, als ich wieder Halt fand und meinen Fuß auf einen Stein setzte, der etwas höher war als der vorherige, schwand meine ganze Mutlosigkeit vor der gleichen Beseligung dahin, die mir zu verschiedenen Epochen meines Lebens einmal der Anblick von Bäumen geschenkt hatte, die ich auf einer Wagenfahrt in der Nähe von Balbec wiederzuerkennen gemeint hatte, ein andermal der Anblick der Kirchtürme von Martinville oder der Geschmack einer Madeleine, die in einen Teeaufguss eingetaucht war [...]. Wie in dem Augenblick, in dem ich die Madeleine gekostet hatte, waren alle Sorgen um meine Zukunft, alle Zweifel meines Verstandes zerstreut. Die Bedenken, die mich eben noch wegen der Realität meiner literarischen Begabung, ja der Literatur selbst befallen hatten, waren wie durch Zauberschlag behoben. Ohne dass ich irgendeine neue Überlegung angestellt oder irgendein entscheidendes Argument gefunden hätte, hatten die soeben noch unlösbaren Schwierigkeiten alles Gewicht verloren. Diesmal aber war ich fest entschlossen, mich nicht damit abzufinden, dass ich nie das &quot;Weshalb&quot; kennen würde, wie ich es an jenem Tag getan hatte, an dem ich die in Tee getauchte Madeleine auf der Zunge verspürte. Die Beseligung, die ich eben empfunden hatte, war tatsächlich ganz die gleiche wie diejenige, die ich beim Geschmack der Madeleine gefühlt und deren tiefe Gründe zu suchen ich damals aufgeschoben hatte. Der auf das Gegenständliche beschränkte Unterschied lag in den Bildern, die dadurch heraufbeschworen wurden; ein tiefes Azurblau berauschte meine Augen, Eindrücke von Kühle, von blendendem Licht wirbelten um mich her, und in meinem Verlangen, sie zu erfassen, ohne dass ich deswegen eher mich zu rühren wagte als damals, da ich den Geschmack der Madeleine wahrnahm und versuchte, bis zu mir vordringen zu lassen, was er mir ins Gedächtnis rief, blieb ich ohne Rücksicht darauf, ob ich die zahlreich versammelte Schar der Chauffeure zum Lachen reizte, in schwankender Haltung stehen, wie ich es eben schon getan hatte, während mein einer Fuß auf dem hohen Pflasterstein, der andere auf dem niedrigen ruhte. Sooft ich nur rein materiell dieses gleiche Auf- und Abtreten vollzog, blieb es ergebnislos für mich; sobald es mir aber gelang, die Matinee bei den Guermantes zu vergessen und wiederzufinden, was ich empfunden hatte, als ich in dieser Weise meine Füße aufsetzte, war mir von neuem die undeutlich aufblendende Vision ganz nahe und schien zu mir zu sagen: &quot;Hasche mich, wenn du die Kraft in dir hast, und versuche das Rätsel des Glücks, das ich dir aufgebe, zu lösen.&quot; Fast gleich darauf erkannte ich sie: er war Venedig, [...] eine Empfindung, wie ich sie einst auf zwei ungleichen Bodenplatten im Baptisterium von San Marco gehabt hatte.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Die wiedergefundene Zeit&lt;/b&gt;, Bd. 3/3, S. 3954ff&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Falls Sie die vorangegangenen 3944 Seiten tatsächlich gelesen haben, und falls nicht kann ich das Ihnen an dieser Stelle nur nochmals wärmstens empfehlen, dann versetzt Sie diese Passage und das meiste des Folgenden vermutlich ebenso in eine kaum in Worte zu fassende Hochstimmung. Ernsthaft, das ist hier kein Feuilleton-Blah.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Moment, da ich sie abtippe, kann ich schon nicht mehr ganz nachvollziehen, &lt;i&gt;wie oft&lt;/i&gt; ich diese Passage nun schon gelesen, vor mich hingesprochen, vorgelesen, durchblättert habe. Und das Gefühl kommt immer wieder auf. Ich würde gerne noch länger zitieren, am besten die nächsten zehn Seiten oder so, aber Sie wissen schon, Copyright; und ich bin ja auch keine Marathon-Schreibkraft; und ich wüsste auch ehrlich gesagt bislang gar noch nicht recht, wo aufhören. Ich schätze, Sie bekommen bald noch mehr zu lesen, wenn Marcel seine Empfindungen näher untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist schon wahr, die reitenden Boten des Königs kommen sehr selten. Aber dieser hier, das können Sie mir glauben, hat es in sich.
&lt;hr /&gt;
Marcel thinks about life, the universe and everything on his way to the soiree, end all of the above seems to be devoid of sense - literature, his own attempts to intellectual achievement, pleasures, in short: life is senseless. Until... (and I promise, you won&apos;t regret reading the following lengthy passage):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt; But sometimes illumination comes to our rescue at the very moment when all seems lost; we have knocked at every door and they open on nothing until, at last, we stumble unconsciously against the only one through which we can enter the kingdom we have sought in vain a hundred yearsand it opens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reviewing the painful reflections of which I have just been speaking, I had entered the courtyard of the Guermantes mansion and in my distraction I had not noticed an approaching carriage; at the call of the link-man I had barely time to draw quickly to one side, and in stepping backwards I stumbled against some unevenly placed paving stones behind which there was a coach-house. As I recovered myself, one of my feet stepped on a flagstone lower than the one next it. In that instant all my discouragement disappeared and I was possessed by the same felicity which at different moments of my life had given me the view of trees which seemed familiar to me during the drive round Balbec, the view of the belfries of Martinville, the savour of the madeleine dipped in my tea and so many other sensations of which I have spoken [...]. As at the moment when I tasted the madeleine, all my apprehensions about the future, all my intellectual doubts, were dissipated. Those doubts which had assailed me just before, regarding the reality of my literary gifts and even regarding the reality of literature itself were dispersed as though by magic. This time I vowed that I should not resign myself to ignoring why, without any fresh reasoning, without any definite hypothesis, the insoluble difficulties of the previous instant had lost all importance as was the case when I tasted the madeleine. The felicity which I now experienced was undoubtedly the same as that I felt when I ate the madeleine, the cause of which I had then postponed seeking. There was a purely material difference in the images evoked. A deep azure intoxicated my eyes, a feeling of freshness, of dazzling light enveloped me and in my desire to capture the sensation, just as I had not dared to move when I tasted the madeleine because of trying to conjure back that of which it reminded me, I stood, doubtless an object of ridicule to the link-men, repeating the movement of a moment since, one foot upon the higher flagstone, the other on the lower one. Merely repeating the movement was useless; but if, oblivious of the Guermantes reception, I succeeded in recapturing the sensation which accompanied the movement, again the intoxicating and elusive vision softly pervaded me as though it said Grasp me as I float by you, if you can, and try to solve the enigma of happiness I offer you. And then, all at once, I recognised that Venice which my descriptive efforts and pretended snapshots of memory had failed to recall; the sensation I had once felt on two uneven slabs in the Baptistry of St. Mark had been given back to me and was linked with all the other sensations of that and other days which had lingered expectant in their place among the series of forgotten years from which a sudden chance had imperiously called them forth.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Time regained&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
In case you have read the previous 3954 pages (and in case you haven&apos;t I can only recommend it as recommend can), this passage and most of what follows will probably have put you in a kind of elation that&apos;s hard to frame in words. Seriously, this is no feuilleton-speak.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
At this very moment that I&apos;m typing the passage into my computer (yes, Germans are not yet endowed with a public domain translation) I can&apos;t even remember &lt;i&gt;how often&lt;/i&gt; I have read, re-read, read aloud or scanned through these pages. And the feeling keeps on coming again and again. I would love to quote even longer, possibly the next ten pages or so, but you know, this a only a blog and not an e-book after all. Plus I wouldn&apos;t yet know where to stop. So I guess you&apos;ll have more to read in the near future, when Marcel analyses his sensation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brecht is certainly right, messengers on horsebacks are rare, too rare, but this one, I promise, beats them all.</description>
    <dc:creator>danielgruen</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 danielgruen</dc:rights>
    <dc:date>2008-01-06T01:52:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://proust.twoday.net/stories/4586726/">
    <title>Schlüsselstelle</title>
    <link>http://proust.twoday.net/stories/4586726/</link>
    <description>&lt;cite&gt;&lt;i&gt;Als ich an der Ecke der Rue Royale anlangte, an der früher unter freiem Himmel der Händler mit den bei Francoise so beliebten Photographien gestanden hatte, schien es mir, als könne der Wagen unter dem Zwang von hunderten in gleicher Weise vorgenommenen früheren Wendungen gar nichts anderes tun, als von selbst um die Ecke zu biegen. Ich durchmaß nicht die gleichen Straßen wie die Spaziergänger, die an diesem Tage sich im Freien ergingen, sondern eine gleitende, traurige, weiche Vergangenheit. Diese bestand im Übrigen aus so vielen verschiedenen Vergangenheiten, dass es schwierig für mich war, den Grund meiner Schwermut zu begreifen [...].&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Die wiedergefundene Zeit&lt;/b&gt;, Bd. 3/3, S. 3933&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Marcel, wenn wir ihn so nennen mögen, ist gerade zum zweiten Male aus dem Sanatorium nach Paris zurückgekehrt, da er hier auf der Suche nach einer verlorenen Zeit die Straßen durchschreitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sind Sie schon einmal durch einen Ort gegangen (bei mir war es ein ziemliches Kuhdorf, aber eine Stadt tut&apos;s bestimmt auch), aus dem Sie schon seit vielen Jahren fortgezogen sind? Es ist vielleicht nicht ganz richtig, die Erinnerungen, die sich in einem dabei auftun, &lt;i&gt;unwillkürlich&lt;/i&gt; zu nennen, denn wir sind ja schließlich doch recht willkürlich in den Ort der Vergangenheit zurückgekehrt. Aber diese Wiederauferstehung einer vergangenen Gefühlswelt, die wir dabei vielleicht einmal für Momente erleben dürfen, ist wohl genau das, was unser Autor unter einer solchen unwillkürlichen Erinnerung versteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ob sie&apos;s glauben oder nicht, als ich an meiner ehemaligen Wohnung vorbeilief, steckte in der Tür der Schlüssel...

&lt;hr /&gt;

&lt;cite&gt;&lt;i&gt;When I reached the corner of the rue Royale where formerly an open-air street-seller used to display the photographs beloved of Françoise, it seemed to me that the carriage accustomed in the course of years to turning there hundreds of times was compelled to turn of itself. I was not traversing the same streets as those who were passing by, I was gliding through a sweet and melancholy past composed of so many different pasts that it was difficult for me to identify the cause of my melancholy.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Time regained&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Marcel, if that&apos;s how we are to call him, has returned from the sanatorium for the second time and is wandering through the streets of Paris in search of a time lost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Have you ever tried walking through a village (in my case, it was a real Podunk, but I guess a larger city does the trick just as well), from which you had moved away many years ago? Maybe it&apos;s not quite correct to call the memories that you get while doing that &lt;i&gt;involuntary&lt;/i&gt;, because, after all, we have come back to the place quite voluntarily, actually. But this resurrection of a past emotional experience, which might occur to us for a moment, is probably exacly what the author means when he speaks of involuntary memories.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
And believe it or not, when I walked past the appartment I had formerly lived in, the key was in the lock...</description>
    <dc:creator>danielgruen</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 danielgruen</dc:rights>
    <dc:date>2008-01-05T00:50:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://proust.twoday.net/stories/4578783/">
    <title>Larivière</title>
    <link>http://proust.twoday.net/stories/4578783/</link>
    <description>&lt;cite&gt;&lt;i&gt;In diesem Buche, in dem keine einzige Tatsache berichtet wird, die nicht erfunden ist, in dem es keine einzige Gestalt gibt, hinter der sich eine wirkliche Person verbirgt, in dem alles und jedes je nach Maßgabe dessen, was ich demonstrieren will, von mir erdacht worden ist, muss ich zum Preise meines Landes sagen, dass die Millionärsverwandten unserer Françoise, die ihre Zurückgezogenheit aufgegeben hatten, um ihrer schutzlosen Nichte zu helfen, die einzigen Personen sind, die tatsächlich existieren. Überzeugt davon, dass sie in ihrer Bescheidenheit nicht daran Anstoß nehmen werden, und zwar aus dem Grunde, weil sie dieses Buch niemals lesen werden, zeichne ich hier mit einem kindlichen Vergnügen und von tiefer Rührung bewegt, da ich ja nicht die Namen der vielen anderen zitieren kann, die ebenso gehandelt haben und dank denen Frankreich weiterexistiert, ihren wirklichen Namen auf, den übrigens echt französischen Namen Larivière.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Die wiedergefundene Zeit&lt;/b&gt;, Bd. 3/3, S. 3915f&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Muss schon ein ganz angenehmes Gefühl sein, so in dem &lt;i&gt;Roman&lt;/i&gt; schlechthin genannt zu werden, und dann auch noch mit so überschwänglichem Lob. Die Larivières hatten als Caféhausbesitzer ihr Vermögen gemacht und sich dann, millionenschwer, zur Ruhe gesetzt. Ihr Neffe hatte, wohl vom großen Erfolg seiner Verwandten ermutigt, mit seiner Ehefrau ebenfalls ein kleines Caféhaus eröffnet - bis der Erste Weltkrieg ihm von der Kaffeemühle in die Schützengräben trieb, wo er schließlich fiel. Was sollte also seine junge Frau nun tun?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun, zum Glück war ihr die Unterstützung ihrer angeheirateten Verwandten sicher, die, ungeachtet ihres fortgeschrittenen Alters und ihrer gesellschaftlichen Stellung, über drei Jahre unbezahlt in dem kleinen Caféhaus als Tellerwäscher (oder besser: Tassenwäscher) aushalfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zumindest einen Eintrag in einem Blog des frühen 21. Jahrhunderts wäre das ja sicher wert gewesen. Ansonsten, falls Sie gerade an dem neuen &lt;i&gt;Roman&lt;/i&gt; schlechthin schreiben, nähme ich Angebote als Aushilfe in Ihrem Caféhaus, insbesondere per &lt;a href=&quot;maito:daniel_gruen@web.de&quot;&gt;e-mail&lt;/a&gt; und in Verbindung mit einem sicheren Millionenvermögen, gerne entgegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenige Zeilen später, das sei hier noch etwas unpietistisch angefügt, wird uns die Nachricht vom Tode unseres langjährigen Freundes Robert de Saint-Loup bekanntgegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;Er war sicher sehr schön gewesen in seinen letzten Stunden. Er, der in diesem Leben [...] immer den Schwung des Angriffs in sich zu tragen schien, war endlich wirklich zum Angriff übergegangen.&lt;/i&gt;&lt;/cite&gt;

&lt;hr /&gt;

&lt;cite&gt;&lt;i&gt;In this book in which there is not a single event which is not fictitious, in which there is not a single personage &quot;a clef&quot;, where I have invented everything to suit the requirements of my presentation, I must, in homage to my country, mention as personages who did exist in real life, these millionaire relations of Françoise who left their retirement to help their bereaved niece. And, persuaded that their modesty will not be offended for the excellent reason that they will never read this book, it is with childlike pleasure and deeply moved, that, unable to give the names of so many others who acted similarly and, thanks to whom France has survived, I here transcribe their name, a very French one, Larivière.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Time regained&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Must be a jolly good feeling, to be reffered to in the &lt;i&gt;novel&lt;/i&gt; per se, and even with this kind of appraisal. The Larivières had made a fortune as coffeehouse owners and then, with many millions, retired. Their nephew had, possibly encouraged by the success of his relatives, also opened a small coffeehouse with his wife - until the outbreak of the First World War lead him from the coffee grinder to the trench, where he eventually died. So what was his young wife to do?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Well, fortunately she could take her husband&apos;s relatives&apos; support for granted, who, despite their advanced age and social position and without being paid, helped her, working as dishwashers (or rather: cup-washers) in the little coffeehouse for three years.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
At least an entry in a blog in early 21st century that would certainly have been worth. Otherwise, in case you&apos;re currently working on the new &lt;i&gt;novel&lt;/i&gt; per se, I would be happy to accept job offers in your coffehouse, especially via &lt;a href=&quot;mailto:daniel_gruen@web.de&quot;&gt;e-mail&lt;/a&gt; and in connection with a nice and safe fortune.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
And shortly after this episode, it should be added despite its being rather sad, we are informed of the death of our old friend Robert de Saint-Loup.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;He must have been very beautiful in those last hours, he who in this life had seemed always [...] to contain within himself the dash of a charge and to disguise smilingly the indomitable will-power centred in his triangle-shaped head when he charged for the last time.&lt;i&gt;&lt;/i&gt;&lt;/i&gt;&lt;/cite&gt;</description>
    <dc:creator>danielgruen</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 danielgruen</dc:rights>
    <dc:date>2008-01-02T21:42:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://proust.twoday.net/stories/4576095/">
    <title>Love is blind</title>
    <link>http://proust.twoday.net/stories/4576095/</link>
    <description>Wir befinden uns unter den Gästen aus Jupiens Hotel, dem manifestierten Sündenpfuhl, die sich während des Bombenalarms im Weltkrieg in den Untergrund der Pariser U-Bahn zurückziehen, wo in der Dunkelheit ihre Spiele nicht weniger interessant zu sein scheinen...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;Findet man aber Verständnis, so erweckt in uns die unmittelbare Antwort des Körpers, der sich nicht zurückzieht, sondern annähert, die Vorstellung, dass die, an die wir uns schweigend wenden, vorurteilsfrei und eher lasterhaften Neigungen unterworfen sind, eine Vorstellung, die eine Vermehrung des Glückes bedeutet, ohne weiteres die Frucht genießen zu können, ohne sie zuvor mit den Augen zu begehren und um Erlaubnis zu bitten. Die Dunkelheit dauert indessen an.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Die wiedergefundene Zeit&lt;/b&gt;, Bd. 3/3, S. 3900&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Verglichen mit dem harmlos-langweiligen &lt;a href=&quot;http://mtv.de/tv/shows/225667&quot;&gt;MTV Love is blind&lt;/a&gt; oder den weniger auf Gegenseitigkeit beruhenden &lt;a href=&quot;http://hbgr39.blogg.de/eintrag.php?id=65&quot;&gt;Grabschern in der Tokioter U-Bahn&lt;/a&gt; ist das, was die Herrschaften aus Jupiens eigens für Charlus und seine Neigungen eingerichtetem Hotel in der Pariser Metro und auch sonst so treiben aber sicherlich eine weniger stille Beschäftigung. Weiter enthalte ich mich jeden Kommentars...

&lt;hr /&gt;

We&apos;re among the guests of Jupien&apos;s hotel, the manifest Gomorrah, retreating to the Métro passages of Paris, way down, where the darkness doesn&apos;t seem to make their little games any less interesting...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;Then there is the excuse of the darkness itself and of the mistakes it engenders if a bad reception is met with, but if on the contrary, there is the immediate response of a body which, instead of withdrawing, comes closer, the inference that the woman or the man approached is equally licentious and vicious, adds the additional thrill of being able to bite into the fruit without lusting after it with the eyes and without asking permission. And still the darkness continued.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Time regained&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Compared to the harmless-boring &lt;a &gt;MTV Love is blind&lt;/a&gt; or the less mutual &lt;a href=&quot;http://www.guardian.co.uk/japan/story/0,7369,1358190,00.html&quot;&gt;Tokyo subway groopers&lt;/a&gt; what the gentlemen from the hotel Jupien has opened especially for Charlus and his tendencies are doing here in the Metro or elsewhere, is certainly a less silent business. And I do refrain from any further comment...</description>
    <dc:creator>danielgruen</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 danielgruen</dc:rights>
    <dc:date>2008-01-01T20:11:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://proust.twoday.net/stories/4572022/">
    <title>Deadline</title>
    <link>http://proust.twoday.net/stories/4572022/</link>
    <description>&lt;cite&gt;&lt;i&gt;Da meine Trägheit mir die Gewohnheit mitgeteilt hatte, meine Arbeit immer von einem Tag auf den folgenden zu verschieben, stellte ich mir zweifellos vor, es könne mit dem Tode ebenso sein. Warum sollte man Angst vor einer Kanone haben, die, wie man überzeugt ist, an diesem gleichen Tage einen nicht treffen wird?&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
--&lt;b&gt;Die wiedergefundene Zeit&lt;/b&gt;, Bd.3/3, S.3853&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Ich weiß nicht, wie es mit Ihnen ist, aber ich bin auch so ein großer Hinausschieber. Und jetzt, wo das Jahr zu Ende geht und ich Ihnen natürlich allen einen guten Rutsch uns so weiter und so fort wünsche, sollte man sich vielleicht vornehmen, nicht wahr, mit dieser unguten Angewohnheit doch einmal aufzuräumen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andererseits, es ist ja nicht nur der Tod, den das Aufschieben für den einzelnen Tag erträglich macht. Mit der Arbeit ist es doch oft nicht viel anders. Wenn ich mir so überlege, was ich eigentlich alles machen müsste, gemacht haben müsste, machen haben müssen werde... eigentlich ist das ja nur mit einer gesunden Portion Aufschieberei zu überstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich schlage also folgenden Kompromiss vor: wir nehmen uns einfach vor, zum &lt;i&gt;nächsten&lt;/i&gt; Jahreswechsel dem Aufschieben abzuschwören.

&lt;hr /&gt;

&lt;cite&gt;&lt;i&gt;Having got into the habit, through idleness, of postponing my work from day to day, I doubtless supposed death might deal in the same way with me. How could one be afraid of a shell which you are convinced will not strike you that day?&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
--&lt;b&gt;Time regained&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Now I don&apos;t know about you, but I also abandon myself to procrastination time and again. And now, that the year comes to an end and I of course wish you all a Happy New Year and so on and so forth it might seem fair to come to the New Year&apos;s resolution of, well, stopping that habit once and for all.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
On the other hand, it&apos;s not only death (and death would already be bad enough) witch is made bearable on the individual day by our constant procrastination tactics. Work, I suppose, is not so much a different matter here. If I only start to think about what I actually should do, should have done, or will have had to have done (if this is a correct tense) some day... in fact, procrastination might be the only means of ever being able to bear that burden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So what I propose is the following compromise: we all decide to make stopping procrastination our &lt;i&gt;next year&apos;s&lt;/i&gt; New Year&apos;s resolution...</description>
    <dc:creator>danielgruen</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 danielgruen</dc:rights>
    <dc:date>2007-12-30T23:15:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://proust.twoday.net/stories/4563481/">
    <title>Alles ist relativ</title>
    <link>http://proust.twoday.net/stories/4563481/</link>
    <description>&lt;div class=&quot;moblog_text&quot;&gt;&lt;cite&gt;&lt;i&gt;Da Madame Verdurin an Migräne litt, weil sie morgens keine Hörnchen mehr in ihren Milchkaffee tauchen konnte, hatte sie schließlich von Cottard ein Attest erlangt, das ihr gestattete, aus einem bestimmten Restaurant [...] solche kommen zu lassen. [...] Ihr erstes Hörnchen nahm sie an dem Morgen wieder zu sich, an dem die Zeitungen über den Untergang der &quot;Lusitania&quot; berichteten. Während sie nun das Hörnchen in den Milchkaffee tauchte und ihrer Zeitung leichte Stupse gab, damit sie sie aufgeschlagen halten konnte, ohne zum Umblättern die mit dem Eintauchen beschäftigte Hand zu benutzen, sagte sie: &quot;Wie grauenhaft! Das ist ja fürchterlicher als die entsetzlichsten Tragödien.&quot; Aber der Tod aller dieser Ertrunkenen musste ihr wohl doch auf ein Milliardstel seiner Größe reduziert erscheinen, denn während sie mit vollem Mund diese trostlosen Überlegungen anstellte, war der Ausdruck, der auf ihrem Gesicht lag und wahrscheinlich durch den Wohlgeschmack des Gebäcks darauf hervorgerufen wurde, das ihr so unschätzbare Dienste bei ihrer Migräne leistete, eher der eines sanften Behagens.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
--&lt;b&gt;Die wiedergefundene Zeit&lt;/b&gt;, Bd. 3/3, S. 3811&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Nicht dass zumindest Cottards Attest hier ein unerwartetes Nachleben erlebt (vgl. voriger Eintrag) ist bemerkenswert, vielmehr ist es die Beobachtung, dass es der Padrona schließlich trotz der Katastrophe im sowieso schon sehr beileidsintensiven Weltkrieg nicht gelingt, ihre Befriedigung ob des Croissants zurückzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber ist es nicht wirklich so? Seien wir mal ehrlich. Kommen Sie umhin, auch nach den fürchterlichsten Nachrichten schließlich doch einer ganz gegenläufig munteren Bewegung Ihres Geistes folgen zu müssen? Ich glaube nicht, dass Sie sich ernsthaft dafür schämen müssten. Schließlich leben wir in einem ständigen Gleichgewicht der Regungen, und wenn es schon so etwas wie ein großes, andauerndes Glück nicht zu geben scheint, wie sollte dann ein Mitleid eine so absolute Dimension haben können? Außer in einem sehr deprimierten Universum vielleicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich jedenfalls muss zugeben, dass es nur sehr wenige Dinge gibt, die mich hinreichend beschäftigen, um nachhaltig gegen ein wirklich gutes Hörnchen ankommen zu können... und vielleicht ist das ja auch ganz gut so.

&lt;hr /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;Mme Verdurin, who suffered from headaches on account of being unable to get croissants to dip into her coffee, had obtained an order from Cottard which enabled her to have them made in the restaurant mentioned earlier. [...] She started her first croissant again on the morning the papers an-announced the wreck of the Lusitania. Dipping it into her coffee, she arranged her newspaper so that it would stay open without her having to deprive her other hand of its function of dipping, and exclaimed with horror, How awful! Its more frightful than the most terrible tragedies. But those drowning people must have seemed to her reduced a thousand-fold, for, while she indulged in these saddening reflections, she was filling her mouth and the expression on her face, induced, one supposes, by the savour of the croissant, precious remedy for her headache, was rather that of placid satisfaction.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
--&lt;b&gt;Time regained&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Not only that Cottards order sees an unexpected after-life here (see previous entry) is remarkable, rather it is the observation of the &lt;i&gt;padrona&lt;/i&gt;&apos;s being unable to hold back her satisfaction due to the croissant despite this major catastrophe in the condolence-intensified times of the World War.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
But isn&apos;t this actually the case? Let&apos;s be honest for a minute. Can you avoid having to follow an opposite movement of happiness in your mind even after receiving the most horrible news? I do not think you would have to be seriously ashamed of that. After all, we seem to live in a steady equilibrium of emotions and if something like great, constant happiness does not exist, then why should compassion and sadness have such absolute dimensions? Well, maybe except for in a very depressed universe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I, for one, have to admit that there are very little things that occupy me sufficiently in order to keep beating a truly good piece of croissant... and maybe we should be very happy about that.&lt;/div&gt;</description>
    <dc:creator>danielgruen</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 danielgruen</dc:rights>
    <dc:date>2007-12-27T00:28:40Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://proust.twoday.net/stories/4563269/">
    <title>Abschied</title>
    <link>http://proust.twoday.net/stories/4563269/</link>
    <description>&lt;div class=&quot;moblog_text&quot;&gt;&lt;cite&gt;&lt;i&gt;Cottard starb bald darauf -  &quot;das Antlitz dem Feinde zugewandt&quot;, sagten die Zeitungen, obwohl er niemals aus Paris herausgekommen war, vielmehr in Wirklichkeit sich in Anbetracht seines hohen Alters überanstrengt hatte, bald übrigens gefolgt von Monsieur Verdurin, dessen Tod einen einzigen Menschen betrübte, nämlich - wer hätte das gedacht? - Elstir.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
--&lt;b&gt;Die wiedergefundene Zeit&lt;/b&gt;, Bd. 3/3, S. 3807&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Für unseren armen Doktor ist es ja &lt;a href=&quot;http://proust.twoday.net/stories/2653268/&quot;&gt;nicht der erste&lt;/a&gt; Tod, den er da stirbt, aber sicher doch etwas tragisch und gewöhnungsbedürftig, er wird uns wohl fehlen in der großen Gala der Romanfiguren, die uns noch bevorsteht. Und der gute Verdurin, an den mir auf 3807 Seiten keine besonders glänzenden Erinnerungen entstanden sind, für ihn ist der Tod zwar ein Novum, die Wiederauferstehung dadurch aber nicht eben wahrscheinlicher (eher habe ich für Cottard noch Hoffnung...). Immerhin lebt Elstir noch, den ich kurzzeitig mit dem dahingeschiedenen Bergotte verwechselt hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so ist das Jahresende, das bevorstehende, doch immer auch außer einem Neuanfang, einem dem ein Zauber innewohnt, ein Abschied. Bald, so hoffe ich, werde ich auch die Recherche durchlesen haben und kann nicht mehr auf die Frage &quot;was liest du denn gerade?&quot; mit einem leichten Seufzer und ausufernden Handbewegungen antworten. Aber so ist das nun mal, das soll uns nicht davon abschrecken, mit großen Schritten weiter einer berüchtigten Abendgesellschaft entgegenzueilen.

&lt;hr /&gt;

&lt;cite&gt;&lt;i&gt;Cottard died with his face to the enemy the papers said, though he had never left Paris; the fact was he had been overworked for his time of life and he was followed shortly afterwards by M. Verdurin, whose death caused sorrow to one person onlywould one believe it?Elstir.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
--&lt;b&gt;Time regained&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
For the poor professor this &lt;a href=&quot;http://proust.twoday.net/stories/2653268/&quot;&gt;isn&apos;t even his first death&lt;/a&gt;, but still, I guess, is quite tragic and needs some getting used to. We&apos;ll probably be missing him for the great gala to come. Our old friend Verdurin, which hasn&apos;t left too many all-too-bright memories over the last 3807 pages for me, suffers from death for the first time in his life, but that doesn&apos;t make resurrection any more likely, I fear (I rather have some hope for Cottard...). At least Elstir&apos;s alive though not too well, whom I had temporarily confused with his passed-away fellow artist Bergotte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
And so the New Year&apos;s Eve ahead is apart from this magical new beginning just as much a kind of farewell. Soon, I should hope, I will have read through the whole of the Recherche and will no longer be able to reply to the question &quot;what book do you currently read?&quot; by casting a sigh and waving my hands in overflowing gestures. But that&apos;s just the way it is, it shall not keep us from further hastening towards the infamous soiree...&lt;/div&gt;</description>
    <dc:creator>danielgruen</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 danielgruen</dc:rights>
    <dc:date>2007-12-26T21:25:11Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://proust.twoday.net/stories/4561297/">
    <title>Höhe 307</title>
    <link>http://proust.twoday.net/stories/4561297/</link>
    <description>&lt;div class=&quot;moblog_text&quot;&gt;Bei seiner zweiten Rückkehr nach Paris erhält Marcel einen Brief seiner Jugendliebe Gilberte, die von ihrer Zeit im während des Ersten Weltkriegs von den Deutschen belagerten Tansonville schreibt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;Die Schlacht bei Méséglise hat mehr als acht Monate gewährt, die Deutschen haben dort mehr als sechshunderttausend Mann verloren, sie haben Méséglise zuerstört, aber nicht eingenommen. Der kleine Weg, den Sie so sehr liebten und den wir damals Weißdornweg nannten - Sie behaupteten damals, in der Kindheit hätten Sie sich dort in mich verliebt, während ich Ihnen doch unbedingt versichern kann, dass ich in Sie verliebt gewesen bin - hat eine so große Bedeutung erlangt, wie ich Ihnen gar nicht sagen kann; das riesige Kornfeld, an das er stößt, ist die berühmte Höhe 307, deren Namen Sie immer wieder im Tagesbefehl finden konnten. Die Franzosen haben die kleine Brücke über die Vivonne gesprengt, die, wie Sie sagten, Sie nicht ganz so sehr in Ihre Kindheit zurückgeführt hat, wie Sie es sich wünschten.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Die wiedergefundene Zeit&lt;/b&gt;, Bd. 3/3, S. 3787f&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Was ich zu diesem Abschnitt bemerken will ist nicht die Wandlung in Gilbertes Beschreibung ihres Aufbruchs aus Paris, der Proust an dieser Stelle wichtig ist, sondern der klare geografische Bezug, den der Autor hier schafft. Eine Höhe 307 gab es nämlich tatsächlich, und sie war im Ersten Weltkrieg aufgrund ihrer strategischen Bedeutung in der Schlacht von Verdun lange Zeit umkämpft. Tausende Soldaten mussten Sterben an diesem kleinen Hügel, nördlich des kleinen Ortes Ornes:

&lt;br /&gt;&lt;small&gt;&lt;a href=&quot;http://maps.google.de/maps?f=q&amp;hl=de&amp;geocode=&amp;time=&amp;date=&amp;ttype=&amp;q=ornes&amp;sll=51.124213,10.546875&amp;sspn=11.5636,32.255859&amp;ie=UTF8&amp;ll=49.266348,5.479774&amp;spn=0.046934,0.125999&amp;t=h&amp;z=13&amp;om=1&amp;source=embed&quot; style=&quot;color:#0000FF;text-align:left&quot;&gt;Größere Kartenansicht&lt;/a&gt;&lt;/small&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fast kann man die romantische Vivonne sich durch das Kornfeld schlängeln sehen. Nur zu traurig, dass der Ort durch eine so furchtbare Tragödie zu zweifelhaftem Ruhm gelangen musste.

&lt;hr /&gt;
Shortly after his second return to Paris, Marcel receives a letter from his early love Gilberte, who writes about her time in Tansonville under siege during WWI:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;The Battle of Méséglise lasted more than eight months, the Germans lost more than one hundred thousand men there, they destroyed Méséglise but they have not taken it. The little road you so loved, the one we called the stiff hawthorn climb, where you professed to be in love with me when you were a child, when all the time I was in love with you, I cannot tell you how important that position is. The great wheatfield in which it ended is the famous slope 307 the name you have so often seen recorded in the communiqués. The French blew up the little bridge over the Vivonne which, you remember, did not bring back your childhood to you as much as you would have liked.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Time regained&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
The point I&apos;d like to make here is not so much the difference in Gilberte&apos;s description of her departure from Paris, which seems to be of importance to Proust, but the clear geographic description the author here gives. There actually is a &apos;slope 307&apos; and there were heavy battles for it during the war due to its high strategic importance. Thousands of soldiers had to die on this slope, north of the little village Ornes in the vicinity of Verdun (see map above).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
You can nearly see the romantic river of Vivonne meander through the wheatfield. Too bad the place had to come to doubtable glory due to such a horrible tragedy.&lt;/div&gt;</description>
    <dc:creator>danielgruen</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 danielgruen</dc:rights>
    <dc:date>2007-12-25T14:32:11Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://proust.twoday.net/stories/4545759/">
    <title>Impressionismus</title>
    <link>http://proust.twoday.net/stories/4545759/</link>
    <description>&lt;div class=&quot;moblog_text&quot;&gt;Ich habe einige Stellen übersprungen, dich sicher genauso einer Erwähnung wert gewesen wären, um heute das folgende Credo der impressionistischen Literatur zu zitieren. Marcel hatte beim Lesen des Tagebuches der Goncourt schwer an seinen literatischen Fähigkeiten gezweifelt, die ihm so ungeeignet zur exakten Beschreibung der Abendgesellschaften schienen (was, frage ich Sie, ist denn dann exakt?). Bis...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;Wenn ich außer dem Hause zu Abend aß, sah ich nicht die Tischgenossen, weil ich sie vielmehr, wenn ich sie zu betrachten meinte, im Grunde durchleuchtete. [...] Aber nahm das meinen Porträts, die ich ja doch gar nicht mal als solche ausgab, nun wohl jeden Wert? Muß auf dem Gebiet der Malerei das eine Bildnis etwa, das gewisse auf den Umriß, das Licht, die Bewegungen bezügliche Wahrheiten augenfällig macht, deshalb unbedingt einem anderen, ihm keineswegs ähnlichen der gleichen Person nachstehen, in dem tausend Einzelheiten, auf welche es selbst verzichtet hat, bis ins kleinste genau aufgezeichnet sind, einem zweiten Bildnis, aus dem man schließen kann, dass das Modell bezaubernd gewesen ist - während man es nach dem ersten für hässlich gehalten hatte - worin eine dokumentarische und sogar historische Wahrheit liegen mag, die aber nicht notwendigerweise auch künstlerische Wahrheit bedingen muss?&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Die wiedergefundene Zeit&lt;/b&gt;, Bd. 3/3, S.3736&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Die Antwort lautet natürlich nein. Aber liegt nicht auch in dem ersteren Bildnis eine dokumentarische Wahrheit, eine die sich nur einer naiven Betrachtung zunächst entzieht? Gerade dieser dahinterstehende Eindruck wird es sein, der uns nach weiteren 200 Seiten (wo ich gerade mit dem Lesen feststecke bis die Episoden hier im Blog aufgearbeitet sind) meine bisher ultimative Lieblingsbeobachtung der &lt;i&gt;Recherche&lt;/i&gt; bescheren wird (darum ist es auch nicht so schade, wenn ich diese jetzt zum vierten Mal aufs neue lese und mich nicht von ihr lösen kann).

&lt;hr /&gt;
I left out some parts that would certainly have been worth mentioning in order to today quote the following credo of impressionist literature. Marcel had, while reading the Goncourt diary, very much doubted his literary skills, which seemed so unfit to exactly describe the soirees Goncourt talks about (now what, if not Marcels description, is exact then, I ask). Until...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;I did not see the guests because when I thought I was observing them I was radiographing them. From that it resulted that in collating all the observations I had been able to make about the guests in the course of a dinner, the design of the lines traced by me would form a unity of psychological laws in which the interest pertaining to the discourse of a particular guest occupied no place whatever. But were my portraits denuded of all merit because I did not compose them merely as portraits? If in the domain of painting one portrait represents truths relative to volume, to light, to movement, does that necessarily make it inferior to another quite dissimilar portrait of the same person in which, a thousand details omitted in the first will be minutely related to each other, a second portrait from which it would be concluded that the model was beautiful while that of the first would be considered ugly, which might have a documentary and even historical importance but might not necessarily be an artistic truth.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Time Regained&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
The answer is, obviously, no. Doesn&apos;t there even lie in the former portrait a documentary truth, one which evades a first and naive observation? Exactly this profound impression it will be, that after some 200 pages (where I&apos;m currently stuck with reading until the episodes are posted here) allows us my up to this point ultimately favourite observation in the &lt;i&gt;Recherche&lt;/i&gt; (which is why it&apos;s not all too bad I&apos;m stuck and will read it for the fourth time before I can move on).&lt;/div&gt;</description>
    <dc:creator>danielgruen</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 danielgruen</dc:rights>
    <dc:date>2007-12-18T20:25:39Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://proust.twoday.net/stories/4496158/">
    <title>Temps Retrouvé</title>
    <link>http://proust.twoday.net/stories/4496158/</link>
    <description>&lt;div class=&quot;moblog_text&quot;&gt;Es scheint, nach einigem bedächtigen Abwarten, an der Zeit den alles bedeutenden, in langen Stunden der Lektüre herbeigesehnten, den alles umfassenden und magischen Schrein zu öffnen: &lt;i&gt;Die wiedergefundene Zeit&lt;/i&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Falls es sich nur wegen dieses Gefühls lohnen sollte, die &lt;i&gt;Recherche&lt;/i&gt; zu lesen, es würde sich doch gelohnt haben. Ich bin fast zu andächtig, ein Zitat auszusuchen. Wir befinden uns mit Marcel wieder auf dem Weg zwischen Combray und Méséglise. Gilberte spaziert mit uns:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;Einmal, beim ersten Mal, sagte sie zu mir: &quot;Wenn Sie nicht zu großen Hunger hätten und es nicht so spät wäre, könnten wir, wenn wir diesen Weg zur Linken nehmen und uns dann erst nach rechts wenden, in weniger als einer Viertelstunde in Guermantes sein.&quot; Das war genauso, als hätte sie zu mir gesagt: &quot;Wenden Sie sich nach links, dann nach rechts, und Sie werden an das Unerreichbare rühren, an jene stes zurückweichenden Fernen, von denen man auf Erden immer nur die Richtung kennt.&quot;&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Die wiedergefundene Zeit&lt;/b&gt;, Bd. 3/3, S. 3699&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Aber manchmal ist es doch viel schöner, nicht den direkten Weg zu gehen, sondern einen beschaulichen Umweg zu machen. Nichtsdestoweniger -- Sie können versichert sein, die stets zurückweichenden Fernen der wiedergefundenen Zeit liegen direkt von uns und nach einer kleinen Wegbiegung erwartet uns Großes...

&lt;hr /&gt;

It seems, after some deliberate waiting, that it is time for us to open the ultimate, longed-for, all-mighty and magical shrine: &lt;i&gt;Time Regained&lt;/i&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
If it&apos;s only for this feeling that reading the &lt;i&gt;Recherche&lt;/i&gt; has any worth, it&apos;d still be worth it. I&apos;m nearly too devotional to pick a quote. In this one, we&apos;re with Marcel on the path between Combray and Méséglise. Gilberte is walking with us:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;I remember that, in the course of our conversations while we took these walks, she said things which often surprised me greatly. The first was: If you were not too hungry and if it was not so late, by taking this road to the left and then turning to the right, in less than a quarter of an hour we should be at Guermantes. It was as though she had said: Turn to the left, then the first turning on the right and you will touch the intangible, you will reach the inaccessibly remote tracts of which we never upon earth know anything but the direction.&quot;&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;The Fugitive&lt;/b&gt; (in the German translation, this is already part of &lt;i&gt;Time Regained&lt;/i&gt;)&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Still, you will have to agree, there is also beauty in not taking the direct way but making a contemplative detour. Nonetheless -- you can be assured that the inaccessible remote tracts of time regained are lying directly ahead and that after a little turn we ought to find something wonderful.&lt;/div&gt;</description>
    <dc:creator>danielgruen</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 danielgruen</dc:rights>
    <dc:date>2007-11-30T17:00:31Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://proust.twoday.net/stories/4400735/">
    <title>Sodom und Gomorrah reloaded</title>
    <link>http://proust.twoday.net/stories/4400735/</link>
    <description>&lt;div class=&quot;moblog_text&quot;&gt;&lt;cite&gt;&lt;i&gt;Der Zweifel, den die Worte Aimés in mir zurückgelassen hatten, trübte die ganze Freundschaft, die zwischen uns in Balbec und Doncières bestanden hatte, und wiewohl ich jetzt nicht an Freundschaft glaubte und auch nicht daran, sie für Robert je wirklich empfunden zu haben, musste ich mir doch - wenn ich von neuem an die Geschichte von dem Liftboy und dem Restaurant dachte, in dem ich mit Saint-Loup und Rahel gefrühstückt hatte - ernstlich Mühe geben, den Tränen zu gebieten&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Die Entflohene&lt;/b&gt;, Bd. 3/3, S. 3693&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Mit diesem schlichten Satz endet die &lt;i&gt;Entflohene&lt;/i&gt; und mit ihr, so scheint es, die alte Freundschaft Marcels mit Saint-Loup. Was wir auf den Seiten davor erfahren, ist einigermaßen empörend: Odette, die Witwe Swanns, heiratet de Forcheville; ihre Tochter Gilberte Swann dagegen heiratet Saint-Loup und verleugnet ihre Herkunft bis zu dem Punkt, da man den Namen Swann in ihrer Gegenwart nicht mehr erwähnen, geschweige denn von ihm als ihrem Vater sprechen darf; als Konsequenz wird sie endlich vollständig in die Gesellschaft aufgenommen. Doch das junge Ehepaar hat sozusagen noch einige Leichen im Keller: Gilberte teilt die Neigungen Albertines, wodurch ein weiteres Muster in den Beziehungen Marcels in Erscheinung tritt, und Saint-Loup ist, naja, schwul. Aimé erzählt Marcel von seinen Liebesabenteuern in Balbec und Doncières und Marcel ist gleichermaßen verwundert wie erschüttert, an seinem vermeintlichen guten Freund so unerahnte Seiten entdecken zu müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Undurchschaubarkeit der Motive und Handlungen aller, auch der Marcel am vertrautensten scheinender Personen ist ein Grundmotiv des wiederum ereignisreichen Endes des Romans. Man legt ihn weg und ist betroffen - der Vorhang zu und alle Fragen offen. Aber noch nicht ganz zu, kann ich Sie trösten, es folgt der ultimative Schluss: &lt;i&gt;Die wiedergefundene Zeit&lt;/i&gt;...

&lt;hr /&gt;

&lt;cite&gt;&lt;i&gt;The doubt that Aimés words had left in my mind tarnished all our friendship at Balbec and Doncières, and albeit I did not believe in friendship, nor did I believe that I had ever felt any real friendship for Robert, when I thought about those stories of the lift-boy and of the restaurant in which I had had luncheon with Saint-Loup and Rachel, I was obliged to make an effort to restrain my tears.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;The Fugitive&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
With this humble sentence ends the Fugitive (at least in the German translation), and with it, as it seems, the old friendship between Marcel and Saint-Loup. What we get to know on the previous pages is somewhat appaling: Odette, Swann&apos;s widow, marries de Forcheville; her daughter Gilberte Swann in contrast marries Saint-Loup and denies her origin to the point where you are not allowed to mention the name Swann in her presence, let alone speak of him as her father; as a result she is finally fully accepted in society. But the young couple has something more up its sleeve: Gilberte shares Albertine&apos;s sexual tendencies and Saint-Loup is downright gay. Aimé tells Marcel about the latter&apos;s sexual adventures in Balbec and Doncières and Marcel is just as much surprised as he is shocked, to have to discover those unexpected tendencies on his seemingly good friend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
This kind of intransparency in motives and actions, even with people Marcel seemed to be most intimate with, is a leitmotif of this again very eventful closing part of the novel. You put it away and have to admit - the curtain&apos;s closed but all the questions still remain. But I can comfort you: what is to come is the ultimate ending, &lt;i&gt;Time regained&lt;/i&gt;.&lt;/div&gt;</description>
    <dc:creator>danielgruen</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 danielgruen</dc:rights>
    <dc:date>2007-10-31T16:10:06Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://proust.twoday.net/stories/4395048/">
    <title>The Analysis of Mind</title>
    <link>http://proust.twoday.net/stories/4395048/</link>
    <description>&lt;div class=&quot;moblog_text&quot;&gt;&lt;cite&gt;&lt;i&gt;Alles was uns unvergänglich scheit, strebt dem Untergang zu; [...] Die Erschaffung der Welt hat nicht am Anfang stattgefunden, sie findet alle &lt;br /&gt;
Tage statt.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Die Entflohene&lt;/b&gt;, Bd. 3/3, S. 3667&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Wenn Proust hier von den sich wandelnden Verhältnissen der Pariser Gesellschaft spricht, und gleichzeitig von der Unbeständigkeit unsere subjektiven Wahrnehmung, meint er etwas völlig anderes und dann doch auch wieder etwas ganz ähnliches wie Bertrand Russell in &lt;i&gt;The Analysis of Mind&lt;/i&gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;Es liegt keine logische Unmöglichkeit in der Hypothese, die Welt sei erst vor fünf Minuten entstanden, genau wie sie zu diesem Zeitpunkt war, mit Menschen, die sich an eine vollkommen unreale Vergangenheit &quot;erinnerten&quot;. Es gibt keine logisch notwendige Verbindung zwischen Ereignissen zu verschiedenen Zeitpunkten; daher kann nichts, das jetzt geschieht oder in der Zukunft geschehen wird, die Hypothese widerlegen, dass die Welt vor fünf Minuten entstanden sei.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Bertrand Russell, The Analysis of Mind, Lecture IX&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Und beide haben sie Recht, nicht wahr? Vielleicht sollten wir einfach dafür sorgen, dass die Welt, die gleich entstehen wird besser ist als jene, die schon fünf Minuten alt ist.

&lt;hr /&gt;

&lt;cite&gt;&lt;i&gt;Everything that seems to us imperishable tends to destruction; [...] The creation of the world did not occur at the beginning of time, it occurs every day.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;The Fugitive&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
When Proust speaks of the changing conditions in Parisian society, and at the same time of the discontinuity of our subjective perception, he means something entirely different and then again something very alike to what Bertrand Russell speaks of in &lt;i&gt;The Analysis of Mind&lt;/i&gt;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;There is no logical impossibility in the hypothesis that the world sprang into being five minutes ago, exactly as it then was, with a population that &quot;remembered&quot; a wholly unreal past. There is no logically necessary connection between events at different times; therefore nothing that is happening now or will happen in the future can disprove the hypothesis that the world began five minutes ago.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Bertrand Russell, The Analysis of Mind, Lecture IX&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
And both are right, aren&apos;t they? Maybe we should just make sure the world that is about to come into being is better than that which has been created just five minutes ago.&lt;/div&gt;</description>
    <dc:creator>danielgruen</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 danielgruen</dc:rights>
    <dc:date>2007-10-29T23:40:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://proust.twoday.net/stories/4391535/">
    <title>Telegramm aus dem Jenseits II</title>
    <link>http://proust.twoday.net/stories/4391535/</link>
    <description>&lt;div class=&quot;moblog_text&quot;&gt;Soll ich den Knaller zünden? Marcel hatte in Venedig ein Telegramm erhalten, das von der vermeintlich toten Albertine zu stammen schien. Jetzt, im Zug nach Hause, liest er einen Brief Gilbertes, in dem sie ihre Vermählung mit Saint-Loup bekanntgibt. Und da...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;Plötzlich spürte ich, wie in meinem Hirn eine Tatsache, die sich dort als Erinnerung festgesetzt hatte, ihren Platz verließ und ihn einer anderen abtrat. Die Depesche, die ich letzthin erhalten hatte und von der ich geglaubt hatte, sie sei von Albertine, diese Depesche stammte von Gilberte. Da die etwas gekünstelte Schrift Gilbertes vor allem darin bestand, dass, wenn sie eine Zeile schrieb, die T-Striche so weit in die darüberliegende Zeile gerieten, dass einzelne Wörter darin unterstrichen schienen, und die I-Punkte in solcher Höhe schwebten, dass sie die Sätze, die darüberstanden, willkürlich abteilten [...] war es ganz natürlich, dass der Angestellte des Telegraphenbüros die Schlingen der s oder y in der oberen Zeile als ein &quot;ine&quot; gelesen hatte, das sich dem Namen Gilberte anschloss. [...] Dass außerdem noch zwei oder drei Wörter falsch gelesen oder miteinander verwechselt waren [...] genügte, um die Einzelheiten meines Irrtums zu erklären [...]. Ein guter Teil von dem, was wir [...] mit ebensoviel Eigensinn wie Treuherzigkeit glauben, rührt von einer ersten Täuschung über die Voraussetzungen her.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Die Entflohene&lt;/b&gt;, Bd. 3/3, S. 3648f&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Das haben wir wohl dem schlampigen Telegraphenbüro von Venedig zu verdanken. Aber auch über Marcels Geisteszustand lässt die Verwechslung Schlüsse zu -- Albertine ist tot wie zuvor, aber ihr Geist spukt doch weiter durch seine Gedanken.

&lt;hr /&gt;

Marcel, while in Venice, had received a telegram, that seemed to be sent by the allegedly dead Albertine. Now, on the train back to France, he reads a letter from Gilberte, in which she announces her espousal with Saint-Loup. And suddenly...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;All of a sudden, I felt in my brain a fact which had installed itself there in the guise of a memory leave its place which it surrendered to another fact. The telegram that I had received a few days earlier, and had supposed to be from Albertine, was from Gilberte. As the somewhat laboured originality of Gilbertes handwriting consisted chiefly, when she wrote one line, in introducing into the line above the strokes of her t_s which appeared to be underlining the words, or the dots over her i_s which appeared to be punctuating the sentence above them [...] it was quite natural that the clerk who dispatched the telegram should have read the tail of an s or z in the line above as an -ine attached to the word Gilberte. [...] Add that, apart from this, two or three words had been misread, dovetailed into one another [...], and this was quite enough to explain the details of my error and was not even necessary. [...] A large part of what we believe to be true [...] with a persistence equalled only by our sincerity, springs from an original misconception of our premisses.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;The Fugitive&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Obviously, we owe all our bafflement to the sloppy Italian telegraphic service. But this also puts some light on Marcels state of mind -- Albertine&apos;s dead as ever, but her ghost still lingers on his mind.&lt;/div&gt;</description>
    <dc:creator>danielgruen</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 danielgruen</dc:rights>
    <dc:date>2007-10-29T06:32:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://proust.twoday.net/stories/4385773/">
    <title>Impertinenter Stinker</title>
    <link>http://proust.twoday.net/stories/4385773/</link>
    <description>&lt;div class=&quot;moblog_text&quot;&gt;Der Titel ist ein Insider, aufgefallen ist mir nur dieses schöne Zitat. Es stammt ursprünglich von Marcels Großmutter, an die sich seine Mutter erinnert, am Bahnhof Venedigs wartend, während ihr Sohn - gelähmt wie trotzig - im Hotel ausharrt, wo er sich in den Kopf gesetzt hat noch bleiben zu wollen, da die Ankunft der Baronin Putbus mit Bediensteten (wer&apos;s gelesen hat, erinnert sich an ihre berüchtigte Jungfer) angesagt ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;&quot;Es ist merkwürdig, niemand kann zugleich so unerträglich und nett wie dieser Kleine sein.&quot;&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Die Entflohene&lt;/b&gt;, Bd. 3/3, S. 3648&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Da ist wohl was dran. Und auch in manchen vorhergegangenen Längen der &lt;i&gt;Entflohenen&lt;/i&gt; könnte man das bonmot anwenden. Aber schließlich kommt Marcel ja doch, der Zug fährt nicht ohne ihn, während wir uns durch eine kurze letzte Episode der &lt;i&gt;Wiedergefundenen Zeit&lt;/i&gt; nähern.

&lt;hr /&gt;

The title&apos;s an insider joke, but what occured to me is this beautiful quote. It&apos;s originally been made by Marcel&apos;s grandmother, whom his mother remembers while waiting at Venice train station for her son, who - paralyzed and defiant at the same time - remains at the hotel, where he&apos;s planning to wait for baroness Putbus and her attendants (if you&apos;ve read it you will remember her infamous maid), whose upcoming arrival has been announced. Again, this particular sentence seems to be missing in Moncrief:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;&quot;It&apos;s odd, nobody can be so unbearable and at the same time so kind as this boy.&quot;&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;The Fugitive&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
There&apos;s definitely a point to that. And you can apply this bonmot also to some lengthy episodes in &lt;i&gt;The Fugitive&lt;/i&gt;. But finally Marcel arrives, the train doesn&apos;t leave without him, while - through a short last chapter - we approach the &lt;i&gt;Time Regained&lt;/i&gt;.&lt;/div&gt;</description>
    <dc:creator>danielgruen</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 danielgruen</dc:rights>
    <dc:date>2007-10-26T17:20:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://proust.twoday.net/stories/4381604/">
    <title>A la recherche des champs perdus</title>
    <link>http://proust.twoday.net/stories/4381604/</link>
    <description>&lt;div class=&quot;moblog_text&quot;&gt;Marcel versucht in den Straßen Venedigs einen besonders schönen Platz wiederzufinden, auf den er am vorigen Abend zufällig gestoßen war:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;Ich folgte den &quot;calli&quot;, die sich alle glichen und mir jeglichen Hinweis verweigerten, es sei denn, sie gaben ihn mir, um mich um so mehr in die Irre zu leiten. Manchmal weckte irgendein Indiz, das ich undeutlich zu erkennen glaubte, in mir die Hoffnung, ich werde den schön exilierten Campo in seiner Abgeschlossenheit, Einsamkeit und Stille dennoch wiederfinden. Im gleichen Augenblick aber brachte mich ein böser Genius in Gestalt einer neuen &quot;calle&quot; auf den Gedanken, meinem Instinkt entgegen umzukehren; plötzlich befand ich mich wieder am Canale Grande. Da aber zwischen der Erinnerung an einen Traum und der Erinnerung an eine Wirklichkeit kein großer Unterschied besteht, fragte ich mich schließlich, ob nicht während meines Schlafes in einem düsteren Stück venezianischen Kristalls der seltsamm verschwimmende Einschluss eines von romantischen Plätzen umgebenen Platzes mir erschienen und von mir in meine Mondscheinmeditationen hinübergenommen wäre.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
 -- &lt;b&gt;Die Entflohene&lt;/b&gt;, Bd. 3/3, S. 3642&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Zum einen ist es hier das Phänomen der aussichtslosen Suche nach einem vergangenen Idealbild, welches an diesem Abschnitt begeisternd und auch für den Roman als Ganzes bezeichnend ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber viel mehr noch weckt die Passage bei mir die Erinnerung an eine Zeit vor vielen Sommern, da ich selbst mit luzidem Träumen oder Klarträumen experimentierte. Ziel ist es dabei, im Traum sich über den Zustand des Träumens bewusst zu werden und daraufhin eine Form von Kontrolle über das Geschehen zu gewinnen. Tatsächlich ist so etwas nicht unbedingt schwierig, Mittel zum Zweck ist dabei jedoch eine tiefgreifende Verwirrung des Bewusstseins über seinen momentanen Zustand. Fragt man sich regelmäßig, ob man nicht vielleicht im Moment doch träumt, beginnt man irgendwann ernsthaft an der Welt um sich herum zu zweifeln. Nicht nur ist dies eine Form des skeptischen Traumarguments, es ist auch der Gemütszustand, in dem sich der Erzähler in dem Moment dieser Episode zu befinden scheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragt sich nur: warum hat er nicht auf einem Stadtplan nachgesehen?

&lt;hr /&gt;

Marcel tries to find the way through the streets of Venice back to a particularly beautiful square he had stumbled across the night before:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;I followed calli which were exactly alike one another and refused to give me any information, except such as would lead me farther astray. Sometimes a vague landmark which I seemed to recognise led me to suppose that I was about to see appear, in its seclusion, solitude and silence, the beautiful exiled piazza. At that moment, some evil genie which had assumed the form of a fresh calle made me turn unconsciously from my course, and I found myself suddenly brought back to the Grand Canal. And as there is no great difference between the memory of a dream and the memory of a reality, I ended by asking myself whether it was not during my sleep that there had occurred in a dark patch of Venetian crystallisation that strange interruption which offered a vast piazza flanked by romantic palaces, to the meditative eye of the moon.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
 -- &lt;b&gt;The Fugitive&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
For one thing it&apos;s the phenomenon of a futile search for a lost ideal which is interesting here and also significant to the novel as a whole.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
But much more the passage inspires in me the memory of a time long ago, when I experimented with lucid dreaming. The aim of lucid dreaming is to gain consciousness about the state of dreaming while asleep and thus sort of control what&apos;s going on. In fact this is not overly difficult, the means employed, though, is a thorough confusion of your consciousness about your momentary state. Once you begin to wonder, on a regular basis, whether it might be possible that you&apos;re actually dreaming at the very moment, you inevitably begin to doubt the world around you. This is not only a form of the sceptical &quot;dream argument&quot;, also this seems to be the state of mind the narrator is in at the point of this episode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
The only question is: why didn&apos;t he take a look on a city map?&lt;/div&gt;</description>
    <dc:creator>danielgruen</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 danielgruen</dc:rights>
    <dc:date>2007-10-25T11:28:20Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://proust.twoday.net/stories/4373098/">
    <title>Venezianische Scharade</title>
    <link>http://proust.twoday.net/stories/4373098/</link>
    <description>&lt;div class=&quot;moblog_text&quot;&gt;Ein Mantel im Getümmel auf Venedigs Straßen wird aus dem Zusammenhang gerissen, wandelt seine Bedeutung...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;Ich sah, wie der Barbier sein Rasiermesser abwischt, der Neger sein Fass trägt, die Muselmanen Gespräche führen, sah edle venezianische Herren in weiten Brokat- und Damastgewändern und mit Kappen aus cerisefarbenem Samt, als ich plötzlich am Herzen etwas verspürte wie einen leichten Stich. Auf dem Rücken eines der Calzabrüder [...] erkannte ich plötzlich den Mantel, den Albertine umgelegt hatte, um mit mir im offenen Wagen an jenem Abend nach Versailles zu fahren, an dem ich noch weit entfernt war zu ahnen, dass kaum fünfzehn Stunden mich von dem Augenblick trennten, zu dem sie von mir fortgehen würde.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Die Entflohene&lt;/b&gt;, Bd. 3/3, S. 3636f&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
... und wird zu einer unwillkürlichen Erinnerung. Das Gefühl hält zwar nur Sekunden an, aber können Sie nicht auch den kühlen Fahrtwind spüren?

&lt;hr /&gt;

The Moncrieff translation completely lacks this quote, which is sad I believe, as it is one occurrence of a very Proustian phenomenon. Anyway, here comes the &quot;Gruen&quot; translation:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
A coat in the busy streets of Venice, taken out of context, becomes...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;I saw the barber wiping his razor off, the Negroe carrying his barrel, the Mussulmen having a conversation, saw noble Venetian Gentlemen in their robes of brocade and damask and with canopies of cerise velvet, when suddenly I felt something like a sting in my heart. On one of the Calza brothers&apos; backs [...] I recognized the coat I had put around Albertine, in order to drive to Versailles with her in the open cart, that night when I was still far from the suspicion that merely fifteen hours later she would leave me. &lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;The Fugitive&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
... an unvoluntary memory. The feeling only lasts a second, but can&apos;t you also sense the cool breeze in your face?&lt;/div&gt;</description>
    <dc:creator>danielgruen</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 danielgruen</dc:rights>
    <dc:date>2007-10-22T18:37:55Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://proust.twoday.net/stories/4350539/">
    <title>Reich mir die Hand, mein Leben</title>
    <link>http://proust.twoday.net/stories/4350539/</link>
    <description>Heute nur ein typisch Proust&apos;sches schönes, trauriges Zitat über die Liebe zu Albertine, die Liebe zum Leben und die Vergänglichkeit beider:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;Mein Verlangen, durch den Tod nicht von mir selbst getrennt zu werden, das heißt nach dem Tode wieder aufzuerstehen, war nicht wie das Verlangen, nie von Albertine getrennt zu werden, sondern hielt beständig an. Lag  das wohl daran, dass ich mich für kostbarer hielt als sie [...] ? Nein, sondern es kam daher, dass [...] das tägliche Band zu mir selbst nicht zerrissen war wie das, welches mich an Albertine geknüpft hatte. Aber wenn die, die mich mit meinem Körper verbanden, es nun ebenfalls wären...? Sicher würde es mit ihnen genauso sein. Unsere Liebe zum Leben ist nur eine alte Liaison, von der wir nicht loskommen können. Ihre Kraft beruht auf ihrer Beständigkeit, aber der Tod, der sie zerstört, wird uns auch von dem Verlangen nach Unsterblichkeit heilen.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Die Entflohene&lt;/b&gt;, Bd. 3/3, S. 3633f&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Die ewige Liebe und das ewige Leben als analoge Illusionen? Oh je...

&lt;hr /&gt;

Today just a very Proustian quote about loving life, loving Albertine and how both these romances have to come to an end:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;But my desire not to be parted from myself by death, to rise again after my death, this desire was not like the desire never to be parted from Albertine, it still persisted. Was this due to the fact that I valued myself more highly than her [...] ? No, it was because [...] my everyday attachments to myself had not been severed like my attachments to Albertine. But if the attachments to my body, to my self were severed also...? Obviously, it would be the same. Our love of life is only an old connexion of which we do not know how to rid ourself. Its strength lies in its permanence. But death which severs it will cure us of the desire for immortality.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;The Fugitive&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Eternal love and eternal life not more than analoguous illusions? Oh, well...</description>
    <dc:creator>danielgruen</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 danielgruen</dc:rights>
    <dc:date>2007-10-15T09:50:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://proust.twoday.net/stories/4347659/">
    <title>Telegramm aus dem Jenseits</title>
    <link>http://proust.twoday.net/stories/4347659/</link>
    <description>&lt;div class=&quot;moblog_text&quot;&gt;Zurück im Hotel in Venedig erhält Marcel vom Portier ein Telegramm:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;Ich öffnete es, sobald ich in meinem Zimmer war, und beim ersten Blick auf den aus schlecht wiedergegebenen Wörtern bestehenden Text vermochte ich immerhin herauszulesen: &quot;Lieber Freund, die Totgeglaubte - entschuldigen Sie - ist noch sehr lebendig und wünscht ein Wiedersehen, um über Heirat zu sprechen, wann Rückkehr. Alles Liebe Albertine.&quot;&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Die Entflohene&lt;/b&gt;, Bd. 3/3, S. 3629&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Und wir fragen uns, wobei wir nicht unangemessen ordinär klingen wollen: was zum Teufel? Denn die gute Albertine war ja schon einigermaßen &lt;a href=&quot;http://proust.twoday.net/stories/3106779/&quot;&gt;ungewöhnlich&lt;/a&gt; von uns geschieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist das Telegramm für Marcel ein endgültiger Grund, Albertine aufzuhören zu lieben, wie er auf den folgenden Seiten beschreibt. Er versucht es sogar, dem Portier als falsch zugestellt zurückzugeben, was dieser verweigert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage, die sich natürlich stellt: was ist passiert? Falls Sie es wissen, wissen Sie es. Falls nicht: ich verrate es nicht. Noch nicht. Bleiben Sie dran :-P

&lt;hr /&gt;

Back in the hotel in Venice the porter hands Marcel a telegram:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;I opened it as soon as I was in my own room, and, as I cast my eye over the sheet covered with inaccurately transmitted words, managed nevertheless to make out: &quot;My dear, you think me dead, forgive me, I am quite alive, should like to see you, talk about marriage, when do you return? Love. Albertine.&quot;&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;The Fugitive&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
And we have to question, without sounding too vulgar: what the hell? Mademoiselle Albertine, as we recall, had passed away in a most &lt;a href=&quot;http://proust.twoday.net/stories/3106779/&quot;&gt;unorthodox&lt;/a&gt; manner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In fact Marcel finds on the following pages how this telegram is a reason to finally stop loving Albertine. He even tries to hand it back to the porter, explaining that it had been brought to him by mistake, but the porter rejects it.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
The question obviously is: what has happened? If you know it, you know it. If you don&apos;t: I won&apos;t tell. Not yet. Stay tuned :-P&lt;/div&gt;</description>
    <dc:creator>danielgruen</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 danielgruen</dc:rights>
    <dc:date>2007-10-13T22:51:36Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://proust.twoday.net/stories/4329469/">
    <title>Der Tod in Venedig</title>
    <link>http://proust.twoday.net/stories/4329469/</link>
    <description>&lt;div class=&quot;moblog_text&quot;&gt;Marcel kommt nach Venedig, wo er wie auf den nächsten Seiten beschrieben Albertine in einer Weise endgültig vergessen wird, die den Vergleich mit dem Tod seiner Vorstellung von ihr rechtfertigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Zitat aber, dass ich hier bemerkenswert fand, ist der letzte Satz vor der Episode in Venedig:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;Die Wahrheit und das Leben sind beide sehr schwer zu bewältigen, und ich behielt von ihnen, ohne dass ich sie alles in allem kannte, einen Eindruck zurück, bei dem vielleicht Müdigkeit noch die Trauer überwog.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Die Entflohene&lt;/b&gt;, Bd. 3/3, S. 3603&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Sehr schön, sehr traurig.

&lt;hr /&gt;

Marcel visits Venice, where he will - as he describes on the following pages - forget Albertine definitely, in a way that justifies the comparison to the ultimate death of Albertine&apos;s picture he has in mind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
The quote I found remarkable here, though, is the last sentence before the Venice episode begins:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;Truth and life are very arduous, and there remained to me from them, without my really knowing them, an impression in which sorrow was perhaps actually dominated by exhaustion.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;The Fugitive&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Utterly beautiful, utterly sad.&lt;/div&gt;</description>
    <dc:creator>danielgruen</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 danielgruen</dc:rights>
    <dc:date>2007-10-08T08:30:27Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://proust.twoday.net/stories/4250333/">
    <title>Unbestimmtheitsrelation</title>
    <link>http://proust.twoday.net/stories/4250333/</link>
    <description>Marcel denkt nach über den einstigen Wunsch Albertines, die Abendgesellschaft bei Verdurins zu besuchen, bei der auch Madmoiselle Vinteuil zugegen sein sollte, und darüber, wie sehr er diesen Wunsch fehlinterpretiert haben mag:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;Wenn man aber in dieser Weise eine Tatsache in der Hand hält, entziehen sich doch die anderen, von denen man stets nur einen äußeren Anschein wahrgenommen hat, und wir sehen nichts als unscharf umrissene Silhouetten an uns vorüberziehen, von denen wir sagen, sie bedeuteten dies oder das, es geschehe alles wegen dieser oder jener Person.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Die Entflohene&lt;/b&gt;, Bd. 3/3, S. 3600&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Vermutlich kommt das von einer Überdosis theoretischer Physik, aber für mich klingt das verdammt nach Heisenberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1925-1927, also kurz nach Prousts Tod, formulierte Werner Heisenberg (dessen Wohnhaus in München übrigens 10 Gehminuten von meiner Wohnung entfernt liegt) seine Unschärferelation. In einem quantenmechanischen System gibt es Zustandsgrößen, die man nie gleichzeitig und genau messen kann, so z.B. Ort und Geschwindigkeit eines Teilchens, genau wie Marcel alle Facetten von Albertines Verhalten nie zugleich verstehen kann. Dies bedeutet aber, dass ihre wirklichen Beweggründe (sofern wir von so etwas sprechen wollen) gerade wie der &quot;wirklichen&quot; Zustand des Teilchens sich außerhalb dessen befinden, was wir auch nur möglichweise wissen könnten - alles, was wir darüber sagen können, ist genauso ein Produkt unserer Messung und unserer Fragen, unseres Ansatzes, unserer Theorie und unserer Interpretation. Indem wir sie messen, indem wir Nachforschungen anstellen, indem wir darüber nachdenken, fallen die &quot;Silhouetten&quot; wie die &quot;Wellenpakete&quot; in eine diskrete Vorstellung zusammen - ohne dass wir behaupten könnten, dies sei das &quot;wirkliche&quot; Objekt, der sichere Beweggrund, den unsere Albertine gehabt haben müsse. Oder, wie Heisenberg es in einer Vorlesung einmal formulierte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;We have to remember that what we observe is not nature herself, but nature exposed to our method of questioning.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- Physics and Philosophy: The Revolution in Modern Science (1958)&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Ich persönlich finde das fabelhaft und wünschte, Heisenberg hätte einmal Proust gelesen.

&lt;hr /&gt;

Marcel is thinking of Albertine&apos;s former wish of going to a soiree at Verdurins&apos;, at which Madmoiselle Vinteuil was supposed to also be present, and of how much he might have misinterpreted that wish:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;But then even if we do manage to grasp one fact like this, there are others which we perceive only in their outward appearance, for the reverse of the tapestry, the real side of the action, of the intrigue,as well as that of the intellect, of the heartis hidden from us and we see pass before us only flat silhouettes of which we say to ourselves: it is this, it is that; it is on her account, or on some ones else.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;The Fugitive&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
This is probably a symptom of doing too much theoretical physics, but for me that sounds pretty much like Heisenberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In the years 1925-1927, shorlty after Prousts death, Werner Heisenberg (whose former home in Munich is only a 10 minutes walk from mine) the Uncertainty principle. In a quantum system there are state variables that can never be mesured exactly at the same instant, as for example position and velocity of a particle, just as Marcel is unable to at the same time understand all facets of Albertines behaviour. But this means, that her real motivation (if we want to speak of such a thing) is just as much outside of the things we could possibly know as the &quot;real&quot; state of the particle - all we could say about it is just as much a result of our measurement and our questioning, our approach, our theory and our interpretation. By measuring them, by making inquiries about them, by merely thinking about them, these &quot;silhouettes&quot; or &quot;wave packets&quot; collaps into discrete ideas - without making it possible to say those ideas were the &quot;real&quot; object, the one and only motivation our Albertine must have had. Or, as Heisenberg once put it in a lecture:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&lt;i&gt;We have to remember that what we observe is not nature herself, but nature exposed to our method of questioning.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- Physics and Philosophy: The Revolution in Modern Science (1958)&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
I personally think this is fabulous and I wish Heisenberg had actually read Proust.</description>
    <dc:creator>danielgruen</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 danielgruen</dc:rights>
    <dc:date>2007-09-11T11:23:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://proust.twoday.net/stories/4245370/">
    <title>Debating</title>
    <link>http://proust.twoday.net/stories/4245370/</link>
    <description>&lt;div class=&quot;moblog_text&quot;&gt;&lt;cite&gt;&lt;i&gt;Es gibt keine Idee, die nicht die Möglichkeit einer Widerlegung, kein Wort, das nicht sein Gegenwort in sich trägt.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
 -- &lt;b&gt;Die Entflohene&lt;/b&gt;, Bd. 3/3, S. 3574&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Bei einem alten &lt;a href=&quot;http://www.schoolsdebate.de&quot;&gt;Debattierer&lt;/a&gt; wie mir fällt ein solcher Aphorismus natürlich auf fruchtbaren Boden. Es ist manchmal fast schon erschreckend, wir gut und einem selbst einleuchtend man für eine Sache argumentieren kann, der man nach eigenem Empfinden nie zuzustimmen zu können glaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In gewisser Weise ist das Bewusstwerden dieser unvermeidlichen Ambivalenz sogar ein weiteres Symptom des Proust&apos;schen Persönlichkeitsproblems: nicht nur sind wir einer klaren Verbindung zu unserem vergangenen und zukünftigem Selbst beraubt, wir können sogar eine Meinung, die wir für absolut nicht unsere Halten, ganz natürlich verstehen und nachvollziehen. Ja haben wir denn dann überhaupt noch eine?

&lt;hr /&gt;

&lt;cite&gt;&lt;i&gt;There is no idea that does not carry in itself a possible refutation, no word that does not imply its opposite.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
 -- &lt;b&gt;The Fugitive&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
With an old-school &lt;a href=&quot;http://www.schoolsdebate.de&quot;&gt;debater&lt;/a&gt; like me, that aphorism obviously does resonate. It&apos;s sometimes close to scary, how easily, well and persuasively even to yourself you can support a cause that you would think you could never agree to.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In some way, becoming conscious of this sort of inevitable ambivalence is yet another symptom of Proust&apos;s problem of the individual: not only are we devoid of a clear connection to our former and future self, we even can understand and support an opinion, which we would never actually take as ours, quite naturally. After all, do we even have one?&lt;/div&gt;</description>
    <dc:creator>danielgruen</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 danielgruen</dc:rights>
    <dc:date>2007-09-09T21:49:26Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://proust.twoday.net/stories/4241137/">
    <title>Der kleine Unterschied</title>
    <link>http://proust.twoday.net/stories/4241137/</link>
    <description>&lt;div class=&quot;moblog_text&quot;&gt;&lt;cite&gt;&lt;i&gt;&quot;O ja, aber Sie sind ein Mann. Daher können wir auch nicht ganz die gleichen Dinge tun, die ich mit Albertine vorgenommen habe.&quot;&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
 -- &lt;b&gt;Die Entflohene&lt;/b&gt;, Bd. 3/3, S. 3570&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
So sprach Andrée, offensichtlich mehr als nur eine Freundin der Verstorbenen, die vor Monaten noch jede körperliche Beziehung zu Albertine geleugnet hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann nicht sagen, sie wären nicht alle recht schnell über Fräulein Simonet hinweggekommen. Aber gerade an dieser Stelle scheinen Sie sich auch ganz gut gegenseitig zu trösten...

&lt;hr /&gt;

&lt;cite&gt;&lt;i&gt;&quot;Ah! yes, but you are a man. And so we cant do quite the same things as I used to do with Albertine.&quot;&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
 -- &lt;b&gt;The Fugitive&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
quoth Andrée, most obviously quite a bit more than just a friend of the deceased, who had denied having had any physical relationship to Albertine only months ago.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
You can&apos;t say they haven&apos;t gotten over Madmoiselle Simonet quickly. And especially at this point they seem to be each other&apos;s solace in so many ways.&lt;/div&gt;</description>
    <dc:creator>danielgruen</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 danielgruen</dc:rights>
    <dc:date>2007-09-07T23:42:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://proust.twoday.net/stories/4239002/">
    <title>Auf der Suche nach der verlorenen Zeit</title>
    <link>http://proust.twoday.net/stories/4239002/</link>
    <description>&lt;div class=&quot;moblog_text&quot;&gt;&lt;cite&gt;&lt;i&gt;Und da es in den neuen, noch nicht durchmessenen Räumen, die sich vor mir dehnten, ebensowenig noch Spuren meiner Liebe zu Albertine geben würde wie in den verlorenen Zeiten, die ich soeben durchschritten hatte, solche der Liebe zu meiner Großmutter, woraus sich dann eine Folge von Perioden ergab, bei denen nach einer gewissen Pause nicht von dem, was die vorhergehende stützte, in der folgenden mehr vorhanden war, erschien mir mein Leben wie etwas, dem der Zusammenhalt durch ein in seiner Identität fortbestehendes individuelles Ich in einem Maße abging, etwas das so ziellos in der Zukunft und so ausgedehnt in der Vergangenheit war, etwas, das der Tod so leichthin hier oder dort abbrechen konnte, ohne es irgendwie zu vollenden [...].&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;Die Entflohene&lt;/b&gt;, Bd. 3/3, S. 3562f&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
Jene Stelle ist, so glaube ich, die erste, an der Proust den Charakter der &lt;i&gt;verlorenen Zeit&lt;/i&gt; beim Namen nennt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Philosophie der menschlichen Existenz ist schon sehr bedrückend, und doch nicht leicht von der Hand zu weisen. In vielen Facetten meines Lebens muss ich auch feststellen, wie wenig Zusammenhang noch besteht zu Dingen, die einstmals so wichtig für mein damaliges Ich gewesen sein mussten -- und schon spricht man von einem &lt;i&gt;damaligen&lt;/i&gt; Ich genau wie Proust, als sei die Kontinuität der eigenen Existenz nichts als eine Illusion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie entrinnen wir diesem Dilemma?

&lt;hr /&gt;

&lt;cite&gt;&lt;i&gt;And as in the fresh spaces, as yet unexplored, which extended before me, there would be no more trace of my love for Albertine than there had been, in the time past which I had just traversed, of my love for my grandmother, my life appeared to meoffering a succession of periods in which, after a certain interval, nothing of what had sustained the previous period survived in that which followedas something so devoid of the support of an individual, identical and permanent self, something so useless in the future and so protracted in the past, that death might just as well put an end to its course here or there, without in the least concluding it [...].&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
-- &lt;b&gt;The Fugitive&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
That passage is, I believe, the first in which Proust explicitly descibes the nature of &lt;i&gt;lost time&lt;/i&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
This philosophy of human existence is quite depressing, in fact, and still not easy to put away with. In many facets of my life I do have to recognize as well, how little connection there remains to things that must have been so important for a former self -- and here, already, one is talking about his &lt;i&gt;former&lt;/i&gt; self just as Proust does, as though the continuity of one&apos;s one existence was nothing but an illusion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Now how do we get out of that?&lt;/div&gt;</description>
    <dc:creator>danielgruen</dc:creator>
    
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