Individuum a posteriori
Was wie ein etwas hochgestochener Begriff aus dem Werk eines Philosophen mit Hang zur Altphilologie klingt, ist was Proust an seinen Erinnerungen an die tote Albertine entdeckt:
Die Idee ihrer Einzigartigkeit war nicht ein metaphysisches "A priori", das ich aus dem schöpfte, was an Albertine individuelles war, [...] sondern ein "A posteriori", das sich aus der bedingten, aber unlösbaren Verkettung meiner Erinnerungen ergab.
-- Die Entflohene, Bd. 3/3, S. 3510
Das aber bedeutet die Aberkennung jeder individuellen Bedeutung ohne den Betrachter, der diese erst subjektiv verleiht. Das ist weniger die Frage nach dem Geräusch des umfallenden Baumes, den keiner hört als vielmehr ein Plädoyer für den Idealismus -- Bedeutung, Wichtigkeit, Substanz ist nicht den Dingen innewohnend, sie wird ihnen durch uns verliehen.
Zu dumm nur, dass einmal verliehene Bedeutung Marcel nun so viele Leiden bereiten muss -- denn die Albertine zu seinen Vorstellungen ist nicht mehr.
What sounds like a rather sophisticated term from the works of a philosopher bound to classical philology is in fact a thing Proust discovers in his memories of long-since-dead Albertine:
The idea of her uniqueness was no longer a metaphysical "a priori" based upon what was individual in Albertine, [...] but an "a posteriori" created by the contingent and indissoluble overlapping of my memories.
-- The Fugitive
This does mean the denial of individual meaning without the subject that imparts it. It's less the question about the sound of the falling tree nobody hears as a case for idealism -- meaning, importance, substance is not inherent to things, it's granted to them by us who percieve them.
Too bad the meaning once imparted now causes Marcel so much pain -- because the Albertine that matches his imagination is no more.
Die Idee ihrer Einzigartigkeit war nicht ein metaphysisches "A priori", das ich aus dem schöpfte, was an Albertine individuelles war, [...] sondern ein "A posteriori", das sich aus der bedingten, aber unlösbaren Verkettung meiner Erinnerungen ergab.
-- Die Entflohene, Bd. 3/3, S. 3510
Das aber bedeutet die Aberkennung jeder individuellen Bedeutung ohne den Betrachter, der diese erst subjektiv verleiht. Das ist weniger die Frage nach dem Geräusch des umfallenden Baumes, den keiner hört als vielmehr ein Plädoyer für den Idealismus -- Bedeutung, Wichtigkeit, Substanz ist nicht den Dingen innewohnend, sie wird ihnen durch uns verliehen.
Zu dumm nur, dass einmal verliehene Bedeutung Marcel nun so viele Leiden bereiten muss -- denn die Albertine zu seinen Vorstellungen ist nicht mehr.
What sounds like a rather sophisticated term from the works of a philosopher bound to classical philology is in fact a thing Proust discovers in his memories of long-since-dead Albertine:
The idea of her uniqueness was no longer a metaphysical "a priori" based upon what was individual in Albertine, [...] but an "a posteriori" created by the contingent and indissoluble overlapping of my memories.
-- The Fugitive
This does mean the denial of individual meaning without the subject that imparts it. It's less the question about the sound of the falling tree nobody hears as a case for idealism -- meaning, importance, substance is not inherent to things, it's granted to them by us who percieve them.
Too bad the meaning once imparted now causes Marcel so much pain -- because the Albertine that matches his imagination is no more.
danielgruen - 20. May, 22:13